Da hielt der Zug, Steinach am Wald war erreicht. Er stieg aus und sah, daß er der einzige Reisende war, der das tat. Der Zug fuhr weiter, und er schlug den Weg nach dem Dorfe ein. »Nur immer die Apfelstraße hinunter,« sagte der Bahnbeamte freundlich. »Ihren Koffer lassen Sie nur hier, Herr Lehrer, – das sind Sie doch?«

Der Mann grüßte und nickte, und Heinrich Fries ging die Apfelstraße entlang. In der großen Stadt, aus der er kam, konnte er durch viele Straßen gehen, niemand kannte ihn, und hier wußten sie gleich, wer er war. Es ist freilich ein Dorf, sagte er zu sich und seufzte im Herzen, nur ein Dorf!

Um diese Zeit dachte Besenmüller gerade auf der Pflaumenstraße: »Heute sin se aber brav, die Kinner!« und die braven Kinder jauchzten, lärmten und schmausten vergnügt auf der Apfelstraße. Da tönte der schrille Pfiff einer Lokomotive in das fröhliche Gelärm hinein, und Arne schrie: »Vielleicht kommt jemand.«

Geschwind verkrochen sich die Buben im dichteren Blattgewirr, und die Mädel duckten sich in den Graben. Es war doch möglich, daß jemand vom Bahnhof kam, und wenn sie auch alle meinten, im Recht zu sein mit dieser Schmauserei, erwischen lassen wollte sich keins. Ein paar meinten: »Arne, paß auf!«

»Es kommt wer – ’n Fremder!« schrie der zurück, und der Ruf eilte die Apfelstraße entlang von Baum zu Baum.

Von den Bäumen herab, aus dem Straßengraben hinauf lugten schwarze und blaue Augen dem Ankommenden lustig entgegen. Wer mochte das sein? Ein Fremder in Steinach, welch ein Wunder!

Fritz Schwetzer allein kümmerte sich nicht um den, der kam. Er hatte eben einen Himbeerapfel angebissen, der außen schön rot und glänzend, aber innen verfault und bitter war, das ärgerte ihn. Er drehte den Apfel rundum, biß noch einmal da an und dort, vielleicht gab es noch eine süße Stelle, aber da der Apfel bitter blieb, warf Fritze ihn in weitem Bogen auf die Landstraße, da mochte er liegen.

»Holla, was ist denn das?« Heinrich Fries sah sich erstaunt um, ihm war etwas an den Kopf geflogen und hatte ihm den Hut heruntergerissen, und doch war es ganz windstill, kein Lufthauch war zu spüren. Aber freilich, in den Bäumen raschelte und zitterte das Laub, und der junge Lehrer sah da und dort Bubenbeine hängen, er sah auch neben seinem Hut einen angebissenen Apfel liegen. Rasch trat er auf den Himbeerapfelbaum zu, packte Fritzes Beine und rief: »He, du da oben, ist das Sitte hier, Fremden den Hut vom Kopf zu werfen?«

Fritze erschrak. Er sagte aber nichts, sondern versuchte nur seine Beine zu befreien. Arne beugte sich rasch hinab, um sich den Fremden näher anzusehen. Doch dabei entglitt ihm sein Apfel und traf Herrn Fries an die Nase.

»Potzwetter,« rief der nun ärgerlich, »da sitzt ja noch so ’n heilloser Bube! Ihr scheint mir ja nette Rangen zu sein! Kommt mal gleich herunter.«