Klöße mit Speck und Birnen dazu. Bei dem Gedanken daran spürte Fritze, wie leer sein Magen war, ganz leer, das Wasser lief ihm im Munde zusammen, er sagte aber fest: »Nä, kann nich essen. Ich hab’s versprochen, die Tasche kriegt niemand.«

Die Mutter wollte widersprechen, aber als sie so in das entschlossene kleine Bubengesicht sah, fühlte sie es, sie durfte ihn nicht hindern, sein Wort zu halten. »Dann geh nur,« sagte sie, »trag’ die Briefe weiter.«

Fritz tat einen Seufzer, nickte der Mutter zu und ging von Haus zu Haus. Als er ans Dorfende kam, wo die Pflaumenstraße nach Ringelheim abbog, stand seine Mutter dort, die steckte ihm einen Apfel in die Tasche und gab ihm eine tüchtige Schnitte in die Hand. »Wirst doch hungrig sein.«

»Danke,« sagte Fritze nur und stapfte weiter, Schritt um Schritt, nicht zu schnell, nicht zu langsam. Einmal war’s ihm, als müßte er sich umsehen, und als er rasch im Weitergehen rückwärts schaute, stand seine Mutter noch am Wege und sah ihm nach. Das tat ihm gut, wie ein zärtliches Wort der Mutter empfand er das stille Nachschauen.

Er mußte immer daran denken, was der alte Briefträger von der Krone gesagt hatte. War’s so? Die Krone war die Arbeit, die einer tat, sein Amt?

Der Wind hatte sich gedreht, er blies jetzt scharf von Osten her, er brachte auch graue Wolken mit, die die glänzende Sonne überschatteten. Einzelne Flocken fielen, dann kam Regen, der wurde heftiger und schlug dem Buben ordentlich boshaft in das Gesicht. Den bekümmerte das nicht viel. Er knöpfte nur seine Jacke auf und schob, so gut es ging, die dicke, schwarze Tasche darunter. So erreichte er Ringelheim, und im Küsterhaus sagte er seine Botschaft. Der Küster war zur Hilfe bereit, die Post wurde ausgetragen, und Fritze konnte wieder heimwärts wandern.

In Steinach sagte es ihm eine Frau beim ersten Haus im Dorf: »Der alte Klöppel liegt in der Schule, ach, er wird vielleicht schon tot sein.«

Fritze erschrak. Wenn der Briefträger tot war, dann konnte er doch nicht mehr sehen, daß er die Tasche zurückbrachte, und unwillkürlich begann er zu rennen. Aber gleich fiel ihm des Alten Mahnung ein; in der Tasche waren noch allerlei Postsachen, die konnten verlorengehen, und gleich ging er langsamer. Er kam auch noch zur rechten Zeit, er konnte noch dem alten Briefträger die schwarze Tasche übergeben, und der gab ihm die Hand und murmelte leise: »Haste alles besorgt?«

Fritz holte tief Atem und gab Bericht. Und dann, als er fertig war, rief er mit einer ihm fremden Raschheit: »Hat jeder so ’ne Krone, Klöppel? Wie ist das denn?«

»Das ist jedem seine Arbeit, sein Amt, das, wofür einer lebt – und stirbt.« Die letzten Worte klangen ganz matt, der alte Mann seufzte, nicht schwer, sondern wie einer, der sich einer getanen Arbeit freut. Er legte den Kopf zur Seite, faltete die Hände über der schwarzen Tasche und schloß die Augen.