»Er will schlafen,« sagte Vater Hiller, der am Lager saß, »er ist müde vom Leben. Geh du nun heim, Fritz.«

Der Bube ging nach der Tür, er trat so leise auf, so leise er konnte, aber er ging nicht die Treppe hinab, sondern den Gang bis zu dem Zimmer, in dem Frau Fries wohnte. Dort bekam er nun wirklich den Brief seines Lehrers zu hören. Viel stand nicht darin, denn viel durften die Gefangenen nicht schreiben. Heinrich Fries schrieb, es ginge ihm leidlich gut, er sei lange, lange krank gewesen, nun wäre er aber wieder ziemlich gesund. Daß er schon oft geschrieben hatte, teilte er mit. Von der Heimat schrieb er, vom Wiedersehen; ganz froh klang alles, und Fritze Schwetzer sah strahlend drein, ihm schien es, als sei nun alle Sorge gelöst. Und weil er an diesem Tage nun schon so viel geredet hatte, erzählte er auch seiner alten Freundin seine Erlebnisse. Auch das Wort von der Krone sagte er, nur scheu, undeutlich, aber Frau Fries verstand ihn doch. Sie beugte sich plötzlich über ihn und sagte mit einer seltsam schweren Stimme: »Unser Vaterland ist auch eine Krone, für die wir leben und sterben – und leiden müssen.«

Der Bube saß ganz still, er ahnte nicht, daß die Mutter Leiden, schweres Leiden aus dem Sohnesbrief herausgelesen hatte. Aber er fühlte, da war etwas nicht so wunderherrlich, wie er es sich gedacht hatte. Er wußte aber nichts zu sagen, und er sah die alte Frau Lehrerin nur treuherzig an. »Nu muß ich gehn,« brummte er endlich. Und nach einer Pause fügte er hinzu: »Ich komm’ noch mal wieder.«

»Heute nicht, du wirst müde sein und hungrig, Fritz, ich danke dir.«

Schwetzers Fritze stapfte zur Tür hinaus, und er ging so leise die Treppe hinab, so leise es seine knarrenden Stiefel erlaubten, der alte Klöppel schlief ja. Oben sah Frau Fries dem Jungen nach, und sie dachte, wie seine Mutter zu Mittag auf der Landstraße gedacht hatte: »Der wird noch einmal ein rechter Mann.«

Sechzehntes Kapitel
Heimkehr

Es geschah viel, und Pfarrers Regine steigt auf den Schafskopf hinauf – Fritze fährt nach L., es merkt aber niemand etwas davon, und Frau Besenmüller hält ihn für ein Gespenst – Eine Unterredung im Holzstall – In Steinach wird Hochzeit gefeiert, und die Kinder schreien hurra auf der Apfelstraße

Der alte Briefträger Klöppel wanderte nun nicht mehr auf der Birnenstraße nach Steinach hin. Der war wirklich eingeschlafen für alle Zeit, und seine geliebte schwarze Tasche trug ein anderer. Der brachte die Nachrichten von Leid und Freud in die Dörfer, von großen Siegen, von stolzen Taten, aber immer und immer nicht die ersehnte Friedensbotschaft.