»Nä, drinne etwas!« Husch, husch, husch waren alle fort, nur Fritze Schwetzer stand wie erstarrt vor dem Hause, er war so tief erschrocken, daß er nicht einmal an das Ausreißen dachte. Was war da oben geschehen?
Vater Hiller hatte seinen jungen Nachfolger gerade in das Zimmer gebracht, in dem er vorläufig wohnen sollte. Zur Einrichtung hatte Frau Besenmüller überall im Dorfe Hausrat zusammengeborgt. Ein wenig zusammengewürfelt sah daher das Zimmer innen aus, aber doch freundlich und behaglich, und Heinrich Fries meinte, bis seine Mutter nachkäme, würde es schon gut gehen. Aus dem Tische stand Frau Besenmüllers Glanzstück, eine himmelblaue Glasvase, die ihr gehörte. Und just als der junge Lehrer die ansah und dachte: »Nein, so ein häßliches Ding!« kam etwas in das Zimmer geflogen. Klirr ging’s in eine Scheibe des Fensters hinein, und klirr, bums, klatsch! lag auch die himmelblaue Vase zerschmettert am Boden. Frau Besenmüller kreischte entsetzlich. Heinrich Fries eilte zum Fenster und sah hinaus. Dort unten stand Schwetzers Fritze unbeweglich wie ein Baum. »He du,« rief der junge Lehrer hinab, »was soll der Unsinn? Hast du geworfen?«
Dem Fritze war die Stimme bis in den Magen gerutscht, dort saß sie, und Fritze konnte sich noch so abquälen, kein Wörtlein kam heraus.
»Nun, sehen Sie nur, Herr Hiller den Jungen da unten, wie frech er dasteht! Ob er geworfen hat?«
Der alte Mann hatte den Strauß erblickt, der in eine Ecke gefallen war, er hatte ihn aufgehoben und strich nun liebevoll über die zerknickten Blumen. Er sah auch Fritze unten stehen und ahnte, die andern waren ausgerissen. Milde sagte er: »Es sollte wohl ein Willkommensgruß für Sie sein, Herr Kollege.«
»Ein eingeschlagenes Fenster, eine zerbrochene Vase und –,« Heinrich Fries sah nun auch den Strauß mit dem roten Bande, da mußte er lächeln. »Ein wenig seltsam ist ja die Art, mir die Blumen zu bringen.«
»Aber gut gemeint. Ich kenne meine Steinacher Kinder, sie haben gedacht, es sei sehr schlau so.« Vater Hiller lächelte gütig, und sein Lächeln fand auch auf dem Gesicht seines Nachfolgers heiteren Widerschein.
Frau Besenmüller dagegen sah nicht allein grimmig drein, sie schalt auch für drei, und als sie die Scherben ihrer himmelblauen Vase auflas, drohte sie bei jedem Stück: »Na, wartet nur, Besenmüller soll euch schon strafen, wartet, wartet!«
Es wartete aber keiner von den Missetätern ab, was geschehen würde, selbst Schwetzers Fritze war auch davongelaufen. Auf dem Schelmenacker fanden sich alle wieder zusammen, und sie berieten, was zu tun sei. Zerschlagen hatte Fritz mit dem Strauß etwas, das stand fest. Etliche wollten ihm darum Vorwürfe machen, aber da erhoben Arne und Malchen laut ihre Stimmen: »Er kann nischte dafor.«
»Nä,« sagte Jackenknöpfle in edler Selbsterkenntnis, »ich hätte noch mehr zerschmissen.«