»Unterm Pult scheint etwas zu sein.« Heinrich Fries hatte es genau gehört; er versuchte, das Pult wegzuschieben, aber Frau Besenmüller sagte ordentlich ein wenig gekränkt: »So was is niche möglich. Erst vorhin hab’ ich darunter und darüber gewischt. Ach nä, Herr Lehrer, Katzen sitzen in Steinach niche im Schulzimmer. Die Buben sind’s, die machen immer so ’ne Dummheit. Niche auszuhalten ist das manchmal mit denen.«
»Nä,« schrieen die Buben und Mädel wie aus einem Munde, »Frau Besenmüller verklatscht uns nur.«
»Klatsch, patsch, ich weiß, was ich weiß.«
Rutsch, schob der junge Lehrer das Pult zur Seite, und – hervor spazierte kläglich mauzend ein schneeweißes Kätzchen.
Erst starrte Frau Besenmüller mit offenem Munde das Tierchen an, dann aber stürzte sie mit einem Schrei darauf los, hob es auf und sagte im Tone allerbitterster Anklage: »Dich haben se unner’s Pult getan, mein Minchen! Nä, aber auch so ’ne ungezogene Kinner!«
»Wir waren’s doch nicht!«
»Stille!« Vater Hiller hob den Taktstock. »Wer’s getan hat, kommt vor.« Keins rührte sich, und wieder las der alte Mann in all den blühenden Gesichtern, – nein, es hatte keins ein schlechtes Gewissen. »Frau Besenmüller,« sagte er gütig, »besinnen Sie sich mal, die Katze wird Ihnen wohl nachgelaufen und selbst unter das Pult gekrochen sein.«
»Hm!« Die Schuldienersfrau sah ihr Kätzchen an, dann nickte sie langsam. »Ja, erstaunlich klug ist’s freilich, da kommt kein so ’n Dickkopp von Bube gegen auf, nä, nä! ’s ist schon möglich, se hat zuhören wollen.«
»Aber Besenmüllern!« Die Kinder kreischten vor Vergnügen, daß die Katze hatte zuhören wollen, und Frau Besenmüller zog schmunzelnd mit ihr zum Zimmer hinaus.
Der Friede war wiederhergestellt, und Vater Hiller sagte ernsthaft: »Doch jetzt Ruhe!«