»Ach ja, das wird fein! Hurra, wir gehn mit auf ’n Bahnhof!«

»Und Sie besuchen uns bald, Vater Hiller, ja?« bettelte Malchen.

»Ja freilich, ich besuche euch bald.«

»Hurra, Vater Hiller besucht uns!« In den Augen standen noch Tränen, die Münder lachten schon, und immer wieder drückten die kleinen derben, braunen Hände die welke Hand des treuen Freundes. Sonst liefen Buben und Mädel immer alle, so flink sie nur konnten, zur Schule hinaus, heute konnten sie sich gar nicht trennen. Vater Hiller mußte sie selbst mit sanfter Gewalt bis zur Haustüre geleiten, und draußen ging es nochmals an das Abschiednehmen.

In einem Winkel stand Frau Besenmüller, sie hatte die große Schulglocke mit beiden Händen an ihr Herz gedrückt, und ihre Tränen fielen darauf nieder.

»So ist’s recht, so muß nu ’n Abschied sein,« brummelte sie vor sich hin. »Da sieht man doch, ’s war die rechte Liebe.«

Die rechte Liebe! Das Wort tönte wie ein silbernes mahnendes Glöcklein im Herzen des jungen Lehrers. Still entfernte er sich, und niemand merkte es. Er stieg die Treppe hinauf, betrat sein Zimmer, und dort öffnete er weit das Fenster. Er sah, wie sich draußen der Nebel löste und die letzten Fetzen zerflossen. Die Sonne ging siegreich hervor, und schimmernd glänzten Büsche und Bäume im goldenen Herbstkleid. Die rechte Liebe, dachte Heinrich Fries, – würde sie ihm auch wachsen zu Steinach und seinen Kindern?

Fünftes Kapitel
Auf der Schelmenburg