Frau Besenmüller erlebt eine ganz schauerliche Gespenstergeschichte – Ihr Korb füllt sich geschwinde, und Webers Arne und Schwetzers Fritze bekommen Zwetschgenkuchen zu essen – Der neue Lehrer aber denkt an die alten Schelme von Steinach
»Besenmüllern«, wie die Kinder die Schuldienersfrau nannten, hatte viele vortreffliche Eigenschaften, aber auch zwei Fehler: sie war neugierig und sehr abergläubisch. Zwar sagten die Kinder, Frau Besenmüller scheure auch zuviel, das hielten sie für deren allergrößten Fehler, aber die Erwachsenen waren anderer Meinung. Vater Hiller nannte Frau Besenmüller eine tüchtige, saubere Frau, während besonders die Buben es höchst überflüssig fanden, wenn Frau Besenmüller sie immer ermahnte: »Putzt eure Schuhe ab, tragt mir nicht die ganze Dorfstraße ins Haus!«
Zimplichs Max knurrte immer: »Um so ’n bißchen Dreck!« Aber wie es halt ist, Frau Besenmüller hatte andere Ansichten. Sehr lustig dagegen fanden die Kinder es, wenn die Frau ihnen allerlei erzählte, was sie vorausgeahnt hatte, und was sonderbarerweise immer ganz anders in Erfüllung ging. Es sah Frau Besenmüller zum Beispiel aus allerlei Zeichen und Andeutungen, auch aus ihren Träumen, daß sie einen Unfall erleiden würde; dann fiel vielleicht Hinzpeters Malchen auf die Nase, und das war weder für Malchen noch für Frau Besenmüller ein großes Unglück.
Aber die Frau blieb dabei, dies und das als besonderes Zeichen zu deuten, und darum sagte sie auch nach Heinrich Fries’ erstem Schulvormittag zu ihrem Mann: »Paß auf, mit dem neuen Herrn Lehrer wird das nischt hier!«
»Warum denn niche, Frau?«
»Na, da ist das zerbrochene Fenster und dann – die Katze. Nä, das wird nischt!«
»Aber Frau!« Der Schuldiener lachte. »Scherben bedeuten Glück, und die Katze, die war doch weiß, und nur die schwarze Katze bringt Unglück, und stimmen tut das nicht emal. Mir hat noch nie ’ne Katze Verdruß gebracht. Nur einmal hat mir eine meine Wurst gestohlen, und die war grau, die Katze nämlich.«
»Hm!« Frau Besenmüller seufzte, sie hätte ihres Mannes Worten schon gern vertraut, aber sie konnte nicht. »Nä, nä, Scherben und ’ne Katze, was zuviel is, is zuviel!« murmelte sie.
Während Frau Besenmüller so geheimnisvoll allerlei Ungemach vorausahnte, ging Heinrich Fries sehr vergnügt in Steinach spazieren. Das Dorf gefiel ihm immer besser. Es war sauber und wohlhäbig. Die kleinen, weißen Häuser waren alle mit Schiefer gedeckt, und diese dunklen Dächer glänzten in der Sonne wie edles Gestein. Ein Gärtchen schmiegte sich an jedes Haus an, und hinter den Fenstern blühten noch Geranien und manche andere feine Blumen. Der junge Lehrer ging bis zur Kirche, die inmitten des Dorfes lag; sie war grau und alt, Efeu war an ihr emporgewachsen, und ein wenig hatte der auch den Grabstein des Schelmen umrankt, der hier begraben lag. Die Inschrift war schwer zu lesen, und der Ritter, der fromm die Hände gefaltet hatte, sah gar nicht so schelmisch drein, wie das doch eigentlich ein Held so vieler Schelmengeschichten tun müßte.