»Wir müssen warten,« tuschelte er. »Komm, wir legen uns hier lang auf den Boden. Ich habe aber auch Stein und Zunder mit, und wenn sie nicht kommen, dann räuchere ich sie heraus.«

Dieser Plan war Babinchen etwas zu abenteuerlich; sie meinte, sie wollten es lieber mit dem Warten versuchen. Erst steckte sie aber neugierig ihr Näslein in den Fuchsbau hinein, sie fuhr aber geschwind wieder zurück und rief verächtlich: »Pfui, wie das da drin riecht, brr! Na, weißt du, deine Füchse sind auch was Rechtes, darum brauchten wir nicht so weit zu laufen!«

»Wart’ es doch ab, bis sie herauskommen, nachher werden sie dir schon gefallen!« murrte Heine Strohmann gekränkt. »Aber wenn du schwätzt und schreist wie eine Elster, dann natürlich, dann können wir lange warten. Auf der Jagd hält man den Schnabel!«

Des Freundes Strafrede verfehlte ihre Wirkung, denn Babinchen kicherte so vergnügt darüber, daß es die Fuchsfamilie im Bau sicher hören mußte. Endlich tat ihr aber Heine, der ein betrübtes Gesicht machte, leid, sie verhieß still zu sein, und beide legten sich dann wie ein paar richtige eifrige Jäger lang auf den grünen, weichen Waldboden nieder, um die Füchse zu belauschen. Doch kaum hatten sie sich recht hingelegt, da sprangen sie auch schon wieder entsetzt auf und starrten einander schreckensbleich an. Der ganze Boden dröhnte nämlich. Das konnte nicht nur ein Wagen sein, der die Landstraße entlang fuhr, viele mußten es sein und viele Menschen, die da marschierten.

»Feinde sind’s,« stammelte Heine, »Franzosen!« Alle Schreckensgeschichten fielen ihm ein, die man sich noch in der Gegend erzählte.

Babinchen wiederholte angstvoll die Worte: »Feinde sind’s!«

»Wir müssen uns verstecken,« sagte Heine rasch, ohne Besinnen, »wir sind so nahe, dein weißes Kleid kann man sonst sehen.« Er zog seine kleine Freundin mit kräftigem Ruck in einen Graben hinein, der den Wald durchlief. Er war trocken und von bunten Blumen überwachsen; in dieses duftige Blütenbett versanken die Kinder, und einige Minuten saßen sie stumm, fast betäubt von dem Schreck darin, während durch den Wald lauter, unheimlicher das dumpfe Dröhnen klang.

»Wenn sie nach Hause kommen, unser Haus finden!« flüsterte Babinchen zitternd.

»Und deinen Bruder! Den – den nehmen sie gefangen, er ist doch ein Flüchtling,« sagte Heine Strohmann, und sein sonst so vergnügtes Bubengesicht war tief ernst geworden.

Das Mädchen schmiegte sich bebend an den Freund und schluchzte leise: »O der arme Ferdinand! Ach Heine, wir müssen zu ihm und es ihm sagen!«