Doch plötzlich schlugen auf dem Hofe die Hunde an, kurz und scharf; sie schwiegen gleich wieder, sie mußten den kennen, der kam. »Ferdinand!« Der Kranke richtete sich plötzlich im Bett auf, laut und froh klang seine Stimme.
»Ferdinand ist nicht hier,« sagte Frau von Hartenstein. Doch noch hatte sie nicht recht ausgesprochen, da erklangen draußen Schritte, und über die Schwelle traten wirklich die beiden Freunde und Förster Strohmann.
»Ferdinand, was bringst du?« Der Großvater sah dem Enkel entgegen, und der sank mit einem Jubelruf an dem Bett nieder. »Großvater,« stammelte er, »das französische Heer ist in Rußland vernichtet, der Kaiser nach Frankreich entflohen.«
»Das ist Freiheit für uns!« Der alte Mann sagte es laut und feierlich. Er legte die Hand auf des Enkels Scheitel. »Gott segne dich für diese Botschaft! – Nun erzähle!«
Und Ferdinand berichtete. Mit seinem Freund und dem Förster waren sie in Rußland gewesen, dort hatten sie Kunde erhalten von dem Untergang des Heeres an der Beresina. Mit ihren eigenen Augen hatten sie schon die Jammergestalten der Heimkehrenden gesehen. Napoleons Heer vernichtet! Vielleicht schlug nun für Preußen die Stunde der Befreiung!
Der Großvater lag still mit gefalteten Händen da, und die Mutter flüsterte: »Er stirbt!« Aber wunderbar, von jener Stunde an wurde es besser mit ihm. »Mein Gott läßt mich noch leben, bis das Vaterland frei ist,« sagte er freudig.
So wurde es auch. Das neue Jahr brachte die Freiheit. Bei Leipzig kämpfte Ferdinand von Hartenstein als ein Held wie Tausende und Tausende mit ihm.
Er wurde verwundet und lag lange schwer darnieder; aber als wieder die Adventsglocken tönten und zum vierten Mal mahnten, an das hohe Fest der Liebe zu denken, kehrte Ferdinand heim. Der Großvater lebte nur noch wenige Tage. Er schlief friedlich ein mit dem Bewußtsein, daß sein geliebtes Vaterland frei wurde von fremder Herrschaft.«
Frau Fries schwieg, und ein Weilchen war alles ganz still im Zimmer. Endlich tat Frau Besenmüller einen tiefen Atemzug und sagte feierlich: »Gott behüte uns vor solchen Zeiten!«
»Sie sind uns vielleicht näher, als wir ahnen,« sagte der junge Lehrer schwer. Aber das hörte nur seine Mutter und Besenmüller. Fräulein Regine hatte einen kleinen Stab geschwungen, und jauchzend tönte es durch das Schulzimmer: