Fritze hätte nun gern die Wahrheit gesagt, aber vor Schreck war ihm der Mund noch fester verklebt als sonst, und in seiner Verlegenheit drehte er sich um und rannte, ohne Antwort zu geben, davon. Der junge Lehrer sah ihm ärgerlich nach. »Der ist verstockt!« dachte er, und oben erzählte er dann seiner Mutter, Schwetzers Fritze sei ein Heimlicher, von ihm wüßte er nie recht, was er im Sinne habe. Fritze lief heimwärts, sehr bedrückt, aber dicht am Haus traf er Arne. Sie waren Nachbarn und hielten auch gute Nachbarschaft. Dem Freund gegenüber tat sich sein Mund auf, und er sprach von seiner Sorge.
Arne lachte ihn aus. »Besenmüllern muß doch früh Holz holen, da sieht sie ja die Bimmel!«
Freilich, das stimmte. Fritze atmete auf und vergaß nun ebenfalls die Klingel. Er träumte auch in dieser Nacht nicht von der großen, strengen Ruferin zur Schule, von dem Kaiser Napoleon selbst träumte er. Der verlangte von ihm, er solle geschwind nach Rußland laufen. Fritze ängstigte sich sehr und sträubte sich, da wurde Napoleon fuchsteufelswild, und wer weiß, was geschehen wäre, wenn nicht gerade die Mutter gerufen hätte: »Aufstehen, ’s is balde Schulzeit!«
Es gab an diesem Morgen noch viel zu reden von gestern. Mädel und Buben standen auf dem Dorfplatze zusammen und schwätzten und freuten sich, daß sie alle so früh gekommen waren. Frau Besenmüller klingelte immer dreimal, das erste Mal hieß: »Nun rüstet euch, es ist Zeit!« Das zweite Mal wollte sagen: »Geschwind, geschwind ins Haus hinein!« und das dritte Mal verkündigte: »Aufgepaßt, der Herr Lehrer kommt!«
Noch hatte die Klingel nicht einmal getönt, und die Kinder schwätzten und vergaßen es, sich zu wundern, wie lange es heute währte, ehe es bimmelte.
Frau Besenmüller aber rannte inzwischen im Haus aufgeregt treppauf, treppab, – wo war nur die Klingel? Gestern noch hatte sie unten im Türwinkel gestanden, nun fehlte sie. »Wie närrsch bin ich,« brummelte die Frau, »so ’ne Klingel is doch niche wie ’ne Stecknadel, die in ’ne Ritze fällt. Nä, so was!«
Ihr Mann kam heim, der war schon beim Ortsvorsteher gewesen, er fragte verwundert: »Du klingelst ja niche!«
»Die Bimmel fehlt.«
»I nä!«
»Frau Besenmüller, warum klingeln Sie nicht?« ertönte da die Stimme des jungen Lehrers.