»Die Bimmel fehlt,« jammerte Frau Besenmüller. Und klagend beschrieb sie, wo die Klingel gestanden habe, und auf einmal sei sie verschwunden.
»Die haben se versteckt,« knurrte der Mann. »Ich hol’ se alle rein.«
Heinrich Fries kam plötzlich die Begegnung mit Schwetzers Fritze gestern am Holzstall in Erinnerung, und er sagte rasch: »Sehen Sie mal im Holzstall nach.«
Und richtig, da war sie. Wie eine entthronte Fürstin saß die dicke Klingel auf dem Holzstoß, und Frau Besenmüller nahm sie und schwang sie, da gellte ihre Stimme in die Weite.
»Es bimmelt!« In all die Buben- und Mädelbeine auf der Dorfstraße fuhr der Ton. »Bimbimbimbim!« Das schrie und schalt, so laut, so böse hatte die Schulglocke noch nie getönt. »Bimbimbimbim!« Das hörte gar nicht auf, und die Kinder rannten alle in der größten Eile ins Schulhaus.
Dort fanden sie zu ihrer Überraschung ihren Lehrer schon im Schulzimmer. Der hielt seine Uhr in der Hand, zeigte darauf und sagte streng: »Ihr kommt alle zu spät.«
»Es hat doch erst gebimmelt!« verteidigten sich etliche.
»Ja freilich, die Klingel war versteckt. Fritz Schwetzer, hast du die Klingel versteckt?« Fritze sank fast zu Boden vor Schreck, als ihn der Herr Lehrer so drohend ansah. Er klappte den Mund auf und zu, aber er brachte kein Wort heraus.
»Dir steht das schlechte Gewissen an der Stirn geschrieben, und da du mir keine Antwort gibst, bist du es jedenfalls gewesen. Du warst gestern noch spät an Besenmüllers Holzstall. Du wirst jeden Tag in dieser Woche eine halbe Stunde nachsitzen.«
Wieder klappte Fritze den Mund auf und zu, und wieder brachte er kein Wort heraus. Dafür aber trat Arne vor, und Jackenknöpfle, Zimplichs Max und ein paar andere folgten. »Ich war’s, Herr Lehrer,« rief Arne mit heller Stimme.