»Ich auch.« – »Ich auch.« – »Ich auch,« klang es nach, und nun endlich fand Fritze seine Sprache wieder, und im Baß brummte er nach: »Ich auch.«
»Also ihr waret es alle!« Prüfend überschaute der Lehrer die Buben, er schaute schon viel milder drein. »Wie war denn das? Arnulf Weber, erzähle du einmal!«
Und Arne erzählte frank und freimütig, auch von Fritzens abendlichem Gang nach dem Holzstall.
»So äne ausgesuchte Bosheit!« schrie Frau Besenmüller. Die hatte ganz leise die Türe ein Ritzchen aufgemacht und hatte draußen gehorcht. »Wartet ihr nur, ihr Rasselbande!« Sie streckte den Kopf zur Türe hinein, drohte mit der Hand und fuhr blitzschnell wieder zurück. Von der Treppe her sagte ihr Mann vorwurfsvoll: »Na, wenn nu das de Kinner täten, Lydia!«
Tief beschämt zog Frau Besenmüller ab, und innen sagte der junge Lehrer: »Für diesmal sei euch die Strafe geschenkt, weil ihr es eingestanden habt. Aber wem es recht leid tut, der sammelt heute nachmittag für Frau Besenmüller ein Bund Reisig im Walde; ihr selbst wird das Bücken schwer.«
Danach begann der Unterricht. Die Kinder waren alle mäuschenstill und sehr eifrig. In der letzten halben Stunde erzählte ihnen Heinrich Fries noch etwas von der Zeit vor hundert Jahren. Das tat er jetzt oft, und die Kinder meinten, zwischen 1913 und 1813 sei die Zeit gar nicht lang, sie lauschten, als wären es Taten von heute. Darüber verrann ihnen allen die Zeit gar geschwind. Auf einmal ertönte draußen die Klingel, als wäre sie noch immer böse, so laut gellte ihre Stimme, und Fritze Schwetzer dachte seufzend: »Wenn sie doch noch im Holzstall säße!«
Sie hatten alle gedacht, Frau Besenmüller würde noch schelten, aber die ließ sich gar nicht sehen, sie saß in ihrer Küche und schämte sich ihrer Horcherei. Der Nachmittag brachte ihr noch eine große Überraschung. Der kurze Wintertag verdämmerte just zum Abend, als in langem Zug Buben und Mädel daherkamen. Jedes trug ein Reisigbündel, und diese vielen Bündel schichteten sie alle vor Besenmüllers Holzstall auf.
Die Frau lief hinaus, und ihr Mann vergaß für einige Minuten sogar Strickstrumpf und Pfeife, er rannte ihr nach. Draußen stand Heinrich Fries, der lachte über das ganze Gesicht und erklärte die Sache.
»Nä, so was, so was!« Frau Besenmüller führte die Schürze an die Augen, sie war tief gerührt, ganz stumm blieb sie vor lauter Rührung. Erst oben bei sich fand sie die Worte wieder, und sie sagte zu ihrem Mann: »Paß auf, mit dem neuen Herrn Lehrer wird’s gut.« –
Daß es schon gut geworden sei, meinten viele Leute im Dorf. Die Mädel und Buben sagten nichts dazu, wenn sie aber ihren Lehrer die Straße daherkommen sahen, dann rannten sie nicht mehr weg, sondern liefen ihm entgegen und grüßten ihn mit frohem Lachen. »So muß es sein,« dachte die alte Frau Fries, und sie seufzte doch leise dazu. Ihr Sohn freute sich wohl über das wachsende Zutrauen der Steinacher, aber an ihm zehrte doch die Sehnsucht nach der großen Stadt. Er zeigte es nicht, aber die Mutter spürte es, und das Herz tat ihr darum weh. –