Dich zu preisen, Frühlingstag?«

Ganz still schauten Mutter und Sohn von der Höhe nieder in die liebliche Landschaft. Da wurde plötzlich die Stille durch hellen Singsang unterbrochen, aber Lerchen und Amseln waren es nicht, und Heinrich Fries kannte seine Vöglein wohl, die da zwitscherten. Die Steinacher Kinder kamen den Berg herauf. Die Schelme wollten die Schelmenburg besuchen. Sie kamen aber nicht sacht und gemessen, wie man wohl zu vornehmen Leuten geht, ihre Stimmen klangen immer lauter, und es war eigentlich ein Wunder, daß der alte Turm nicht vor Schreck über den Lärm umpurzelte.

»Holla, wo kommt ihr denn her?« Heinrich Fries stand vor Mädeln und Buben, und jäh verstummten alle. Doch nur für einen Augenblick, dann schnatterten sie los. »Wir wollen Veilchen suchen. Fräulein Regine hat Geburtstag morgen, und die kriegt immer Veilchen, allemal.«

»Wenn se nämlich blühen,« fügte Jackenknöpfle vorsichtig hinzu.

Nun, blühen taten sie in diesem Jahr in reicher Fülle. Da und dort schimmerte es ganz blau, und es war nicht schwer, die Körbchen zu füllen. Malchen trug eins, ebenso die Freundin Sylvie, Rosine und Trude Weber auch; da hinein kamen alle Blüten. Später sollten dann Sträuße und Kränze gewunden werden. »Faden haben wir mit, aber die Kränze wollen immer nicht werden,« erzählte Hinzpeters Malchen.

»Pflückt nur schnell, ich helfe euch dann,« versprach die alte Frau Lehrerin. Da gingen die Kinder eifrig ans Werk, während Heinrich Fries seine Mutter auf dem Berg herumführte. Sie war noch nicht oben gewesen, denn der Weg war im Winter schwer begehbar. Plaudernd schritten sie zwischen den Trümmern dahin, als ein lauter Schrei aufgellte; er kam aus einem Winkel, wo noch ein Mauerviereck stand. Von allen Seiten her eilten die Kinder dem Schrei nach. Der junge Lehrer machte lange Schritte, und seine Mutter folgte, so schnell sie nur konnte.

Was war geschehen? War ein Kind gefallen, ein Stück Mauer herabgestürzt? Bleich und zitternd kam Zimplichs Lenchen aus dem Winkel heraus. »Da – da,« stammelte sie, »sitzt der Alte!«

»Welcher Alte, Kind?« Der junge Lehrer nahm die Hand der Kleinen und fragte noch einmal freundlich: »Welcher Alte?«

»Der alte Schelm, der immer spukt,« schluchzte Lenchen, die auch so ein Angsthäslein war, »und – und eine große Blume – oder so was – hat er.«

»Komm mit, und ihr alle auch, wir wollen uns den alten Schelm mal ansehen.« Heinrich Fries lachte, und sein heiteres Lachen gab den Kindern Mut. Sie folgten mehr neugierig als bänglich, nur Lenchen zitterte wie eine Feder im Wind.