Mutter und Sohn aber sagten, die Geschichte habe ihnen sehr gut gefallen. »Ja, und derweile is mein Strumpf fertig geworden. Das is nu en Jammer.«

»Warum denn?« fragte Frau Fries erstaunt. »Ein fertiger Strumpf ist doch ein gutes Ding.« Doch da fiel ihr ein, Frau Besenmüller hatte schon manchmal über ihres Mannes flinkes Stricken geklagt, über die viele Wolle, die es kostete. Nur in Steinach gab es etliche Leute, die rosenrote und kornblumenblaue Strümpfe tragen mochten, in der Stadt wollte sie niemand kaufen. Besenmüllers hatten eine ganze Truhe voller Strümpfe liegen, und am liebsten hätte er jeden Tag einen Strumpf gestrickt.

Frau Fries versprach neue Wolle, da hellte sich Besenmüllers Gesicht wieder auf, und vergnügt wandelten nun alle bergabwärts. Der Lehrer stimmte ein Lied an, die Kinder sangen, es wurde ein lustiger Heimweg. Dicht vor dem Dorfe erblickten sie alle auf einmal Fräulein Regine, die durfte sie nicht sehen. Eins, zwei, drei rannten die Kinder dahin und dorthin, nur die Erwachsenen blieben stehen. Erst schaute Fräulein Regine erstaunt den Kindern nach, die liefen doch sonst nicht vor ihr davon, aber plötzlich glänzte ihr Gesicht in heller Freude, und sie sagte schelmisch: »Ach so, auf dem Schafskopf blühen die Veilchen.«

»Jawohl, und morgen hat unsere Fräulein Regine Geburtstag,« brummelte Besenmüller schmunzelnd.

Neuntes Kapitel
Besenmüllers Geschichte

Frau Mechthild findet, dreizehn Flicken auf dem Wams und neunzehn auf den Hosen wären zuviel, um damit an des Kaisers Hof zu reisen, aber Herr Arnulf weiß sich zu helfen, und der Graf von Gehlingsberg geht ihm fortan aus dem Wege

»Als die Schelme von Steinach noch lebten, haben die Leute noch keine Strümpfe gestrickt. So dumm waren sie noch, aber ganz schön muß es gewesen sein, ja ja, ganz schön.

Dem Herrn Arnulf von Steinach hat’s auch auf der Welt gefallen, das ist ein lustiger Herr gewesen. Er ist auch immer ’n bißchen gern im Lande rumkarriolt. Ja ja, das tat er gern. Auf seinem Schafskopf hielt er es nie lange aus. Einmal sagte er zu seiner Frau Mechthild: »Frau, ich will nach Wien an des Kaisers Hof reiten.«