Er seufzte nun schrecklich jeden Tag, und seine liebe Frau seufzte auch schrecklich jeden Tag. Sie war ein gutes Weib, und ihr Mann tat ihr leid; sie hätte ihm schon gern geholfen und hätte gern ihr Staatskleid für ihn zu Wams und Hose zerschnitten. Es war nur – sie hatte kein Staatskleid.
Eines Tages reitet jemand den Schafskopf hinan: ein Bote war’s von dem reichen Grafen auf dem Gehlingsberg. Der Mann stellt sich steif vor den Herrn Arnulf, Schelm von Steinach, hin und sagt: »Mein Herr Graf will an des Kaisers Hof reiten, er läßt den Herrn von Steinach fragen, ob er mitreiten will.«
Sagt Herr Arnulf: »Ja, das will ich tun. Muß nur eiligst meine Prunkgewänder richten.«
Sagt der Bote: »Mein Herr Graf reitet schon morgen.«
Sagt Herr Arnulf: »Ist mir auch recht.«
Der Bote geht nun wieder. Frau Mechthild aber jammert: »Mann, liebster Mann, dich weisen sie ja mit Schimpf und Schande von des Kaisers Hofe. Mit dreizehn Flicken auf dem Wams und neunzehn auf den Hosen!«
Doch Herr Arnulf lachte dazu. Er ließ die Pferde satteln und ließ ein paar Betten zu großen Ballen zusammenschnüren. Das sei sein Gepäck, erzählte er. Dann ging’s los. Hoppla hopp! Drei Knappen und der alte Burgwart Berthold, die ritten mit. Frau Mechthild hatte gesagt: »Gib fein acht, Berthold, daß sich mein Gemahl nicht noch ein Löchlein reißt. Geflickt ist schon schlimm, aber Löcher sind noch schlimmer.« Ja ja, das hat sie gesagt.«
Hier hatte Besenmüller Zimplichs Max scharf angesehen, und der war feuerrot geworden. Er hatte geschwind die Hand auf sein Knie gelegt, das Dreieck da im Hosenbein hätte Besenmüller auch nicht zu sehen brauchen. Der erzählte weiter: »Hoppla hopp! Auf halbem Weg von Burg zu Burg trafen die Ritter zusammen. Der von Gehlingsberg war reich, geizig und faul, und neidisch war er auch, hochmütig und dumm dazu. Er hatte den Schelmen von Steinach nur zu dem Ritte fordern lassen, um den wegen seiner Armut zu verhöhnen.
Aber wie Herr Arnulf ihn sah, schrie er gleich: »Ei, lieber Freund und Gevatter, so fein angetan? Zum Reisen trage ich immer nur alte Kleider. Seht da die Ballen, die allerschönsten Gewänder hat meine Frau Mechthild hineingetan.«
Der Graf erschrak. Er wurde gleich grün, gelb, rot, blau und braun vor Neid. Weg war seine gute Laune, ganz weg.