Sagte die Gräfin: »Die sandtest du mit des Schelmen Knechten. Die haben auch gesagt, wie reich du geehrt worden bist an des Kaisers Hof.« Da schwieg der Graf mäuschenstill und verbot auch seinen Knechten zu sagen, wie es ihnen ergangen war. Ja ja, das tat er.

Er erzählte viel von des Kaisers Hof, zuletzt glaubte er selbst, ihm sei es gut gegangen dort, und schließlich glaubten alle, der Kaiser würde wohl auch bald zu Besuch kommen, weil er dem Grafen so gut war.

Aber mit dem Schelmen von Steinach tat der Gehlingsberger nie mehr eine Reise zusammen. Mit Fehde überzog er freilich auch nicht seine Burg, wie er es sich vorgenommen hatte. Sah er von fern den Schelmen kommen, dann beschrieb er einen großen Bogen um ihn, er fürchtete dessen Spott. Ja ja, den fürchtete er.«

Zehntes Kapitel
Sommertage

Des Pfarrers Freund redet vom Krieg, aber dem jungen Lehrer laufen die trüben Kriegsgedanken davon – Auf dem Schafskopf brennt das Johannisfeuer, die Rosen blühen, es wird wieder Geburtstag gefeiert, und niemand weiß an dem Tage, was in der Welt geschehen ist – Der Lehrer erzählt von Deutschland, und Frau Fries hält ihr Herz fest und klagt nicht.

Pfarrers Regine hatte ihren Geburtstag gefeiert, und die Sonne hatte dazu geschienen, wie es sich für einen rechten Frühlingstag schickt. Kein Wölkchen war zuerst am Himmel gewesen, aber plötzlich, am Nachmittag, waren schwere, dunkle Wolken aufgezogen, Sturm, Regen, ein Blitz, ein Donnerschlag, und im Umsehen war es wieder hell gewesen. Das erste Frühlingsgewitter war vorübergerauscht. Ein paar Tage lang hatte es im Pfarrhaus köstlich nach Veilchen geduftet, dann waren die kleinen blauen Frühlingskinder verwelkt, und droben auf dem Schafskopf sproßten Blätter und Knospen der Heckenröslein hervor. Die sagten: »Nun kommen wir bald dran.«

»Nein, erst wir.« sagten im Wald die Maiglöckchen. In den Gärten blühten Narzissen, Tulpen, Schwertlilien, Stiefmütterchen, hängende Herzen und viele andere Blumen auf. Die drei Straßen hatten sich wieder in weiße, schimmernde Wege verwandelt, gerade wie vor einem Jahr, als Heinrich Fries Steinach am Wald zum erstenmal gesehen hatte. Er dachte daran und dachte dabei auch an seinen Reisegefährten, der ihm zuerst von den Schelmen erzählt hatte. Und ganz unvermutet lief ihm der alte Herr über den Weg, mitten auf der Apfelstraße. Sie erkannten sich beide, und der junge Lehrer erfuhr nun, sein Reisegefährte sei ein Freund des Pfarrers. »Ich flüchte mich immer mal für etliche Tage in Steinachs Stille, und dies Jahr war die Sehnsucht besonders groß. Es sieht nicht gut aus in der Welt.«

»Nicht gut sieht es aus in der Welt? Wieso?« Der junge Lehrer fragte es erstaunt, nachdenklich.