Der andere nickte: »Ja ja, mir will’s immer scheinen, als hinge Krieg über uns gleich einer Wetterwolke.«

»Krieg!« Das Wort stimmte so gar nicht hinein in den heiteren Frühlingsfrieden von Steinach, und Heinrich Fries sagte abwehrend: »Ach Krieg, es wurde schon so oft davon gesprochen – ich glaube nicht daran.«

»Hurra, Hurra, bald ham’ mer se!« Wildes Geschrei gellte auf, und über die Apfelstraße hinweg rasten vier Buben, ein halbes Dutzend andere folgten ihnen, bewaffnet mit Blechsäbeln, einem Pusterohr und einem Ding, das ungemein viel Lärm machte. Eine Rassel war es von lauter alten Topfdeckeln.

»Wen habt ihr bald, he?« Jackenknöpfle lief seinem Lehrer gerade in die Arme, und der hielt ihn fest. Doch der kleine, dicke Kerl mußte erst ein paarmal nach Luft schnappen, ehe er Antwort geben konnte. »Wen wollt ihr fangen?« Heinrich Fries fragte es noch einmal, und nun stieß Jackenknöpfle heraus: »Die Indianer! Wir spielen Indianers, und dahinten liegt Indien.«

Er deutete nach dem Schelmenacker hin, und sein Lehrer meinte heiter: »Nenn’s Amerika, da nun doch einmal dort die Heimat der Indianer ist.«

Er ließ Jackenknöpfle los, der stürzte eilfertig davon, und das Geschrei aller vereinte sich bald drüben am Schelmenacker. »Solchen Krieg gibt’s immer,« sagte der junge Mann zu dem Alten.

Der sah ernst ins Weite. »Wer weiß, wie bald unsere Jungen gegen Franzosen, Russen und noch sonst welchen Feind ins Feld ziehen wollen!«

»Glauben Sie das?« Nun lächelte auch Heinrich Fries nicht mehr. Er sah zum Himmel auf, der klar und blau war. Würde so schnell ein Wetter daherziehen wie an Fräulein Regines Geburtstag? –

Wie schön war der Frühling, wie schön, selbst wenn der Regen warm und lind auf die Erde niedersank. Und wie leicht laufen trübe Gedanken im Frühling davon. Heinrich Fries erging es so. Als er dann mit seinem alten Reisegefährten am Pfarrhaus anlangte, stand Fräulein Regine da, die hatte sich mehr noch als sonst ihr liebliches Gesicht mit Frühlingssonne eingerieben, da liefen geschwinde alle trüben Kriegsgedanken davon.

Das taten die bösen Gedanken noch manchmal in diesen Tagen, aber – sie kamen doch immer wieder. Der alte Herr Berner, so hieß des Pfarrers Freund, war abgereist, beim Abschied hatte er gesagt: »Im August komme ich wieder – vielleicht.«