»Na, Besenmüller, hütest du die Zwetschen mal wieder?« fragte der Mann. »Freilich, freilich, se sin arg schene alleweil. Das Kindervolk möchte zu gern ran.«

Besenmüller lächelte schadenfroh. Auf der Birnenstraße gab es nicht mehr viel zu holen, und die Winteräpfel, die noch auf den Bäumen saßen, lockten nicht so sehr. »Se sin jetzt sehre wilde, de Kinner,« brummelte er.

»Jo, jo, wenn nur der neie Lehrer erst käme!« gab der Bauer zur Antwort. »Vater Hiller ist zu gut.«

»Aus ’ner großen Stadt kommt der.« Besenmüller machte ein unzufriedenes Gesicht, und der Bauer fragte: »Is dir wohl niche recht?«

»Nä, bewahre, ’n Städter ist ’n Städter, der wird nich nach Steinach passen. Iche bin unzufrieden.«

Da ging der Bauer kopfschüttelnd weiter. Ja, wenn Besenmüller unzufrieden war, so war das eine schlimme Sache. Besenmüller war nicht allein Obstwächter, er war auch der Schul- und Kirchendiener. Je ja, und der war nun mit dem neuen Lehrer unzufrieden!

Besenmüllers Laune war nun nicht mehr so rosenrot wie sein Strumpf, der Gedanke an den neuen Lehrer hatte sie ihm ein bißchen verdorben. Fünfunddreißig Jahre hatte der alte Lehrer Hiller in Steinach sein Amt verwaltet, und auf einmal wollte er fort. Er brauche Ruhe, hatte der Arzt gesagt. Nun wollte Vater Hiller, so wurde er gern genannt, zu seinen Kindern ziehen, und ein neuer sollte an seine Stelle treten.

Wie dieser neue Lehrer sein würde, daran dachte nicht allein Besenmüller an diesem Nachmittag, auch die Kinder redeten davon. Die saßen alle miteinander, Buben und Mädel, große und kleine, auf der Apfelstraße und fanden, daß Winteräpfel auch schon im Herbst ganz gut eßbar sind. Sie kannten auch genau die Bäume, auf denen die frühreifen Früchte hingen. Die Buben saßen auf den Bäumen, die Mädel darunter, und alle schmausten sie mit vollen Backen.

Dort, wo sich die Apfelstraße schon dem kleinen Bahnhof näherte, – er lag etwa eine Viertelstunde vom Dorf entfernt – saß auf einem Himbeerapfelbaum Arnulf Weber. Schlank und rank war er; wenn er mit seinen Kameraden ging, ragte er immer ein Stückchen über sie hinaus. Und lärmten die Buben auf der Straße gar zu arg, dann sagten die Steinacher: »Mer hört’s, Arne is dabei.«

Arne saß oben auf dem Baum, und im untersten Geäst hing Fritze Schwetzer. Der war kurz und stämmig, und seinen Namen verdiente er gar nicht. Maulfauler als Fritze Schwetzer konnte nicht leicht einer sein. Wenn den seine Mutter mit einer Bestellung zu einer Nachbarin schickte, dann sagte er dort meist nur das letzte Wort, etwa »Kuchenblech«, die Nachbarin mußte es sich dann dazu denken, daß Frau Schwetzer ein Kuchenblech geliehen haben möchte. An diesem Herbstnachmittag sagte Fritze überhaupt nichts. Er aß nur einen Himbeerapfel nach dem andern, obgleich seine Mutter bei Tisch gesagt hatte: »Fritze, du wirst noch platzen, wenn du so arg stopfst.«