Waren die Buben in den Wald gelaufen und hatten sich dort verirrt? Steinacher Buben im Steinacher Wald verirrt! Es glaubte niemand recht daran, immerhin begann man im Walde zu suchen. Der Förster war eingezogen, nur der alte Waldhüter Michael war da, und der hatte an diesem Tage keinen Buben im Walde erblickt.
Unten im Dorf vergaßen die Leute ihre Arbeit, je weiter der Tag vorschritt. Immer ungeheuerlicher erschien ihnen das Verschwinden der beiden Buben. Frau Besenmüller sagte wieder einmal zu ihrem Mann: »Wenn uf emal zwei Buben un vier Strümpe verschwinden, dann hängt das zusammen.«
»Hm!« – Besenmüller sah nachdenklich auf seinen Strumpf, aber plötzlich ließ er das Strickzeug fallen und schrie: »Lydia, die sind vielleicht zu den Soldaten gerannt!«
Ein tiefer Seufzer gab Antwort. An der Türe stand Schwetzers Fritze, der hatte so schwer geseufzt. Besenmüller sah ihn durchdringend an. »Heda, mein Freund, du weißt etwas, raus mit der Sprache!«
Das ging nun freilich nicht so flink, und Frau Besenmüller tat das Vernünftigste, was sie tun konnte, sie holte Frau Fries herbei. Die wußte so lind zu fragen, und nach etlichen schweren Seufzern gab Fritz endlich Antwort. »Die sin in ’n Krieg.«
»Wie denn das?« rief Besenmüller. »Einfach so nein, haste nich geseh’n, da siehste, das geht doch niche. Wo sind sie hin?«
»Weiß nich,« stöhnte Fritz, »in ’n Krieg.« Und dann heulte er auf einmal laut los, denn es tat ihm plötzlich bitter leid, daß er nicht mitgezogen war. Er wußte auch wirklich nicht viel mehr; schreiben wollten sie, wenn sie erst dort wären, und mit der Bahn fahren.
»Gut, dann kriegen wir sie,« tröstete der Pfarrer, als er das hörte. »Irgendwo werden sie eines Tages hungrig und verzagt aufgefunden und nach Hause zurückbefördert werden.«
Nun riefen es die Drähte ins Land hinaus: In Steinach haben zwei Buben in den Krieg gewollt, sucht, sucht, sucht!
Ein Tag verging und noch ein Tag, keine Kunde von den Verlorenen kam. Der Bahnvorsteher in Steinach hatte die beiden nicht gesehen, aber in Rothaus, dem nächsten Ort, hatten sich an dem Tage zwei Buben Fahrkarten bis zur Schnellzugshaltestelle L. genommen. So viel Geld mochten sie gehabt haben, aber mehr nicht. Wo waren sie dann hingekommen?