In L. wußte erst niemand etwas von den beiden. Der Pfarrer und Bauer Weber – Jackenknöpfles Vater war auch im Feld – fuhren selbst hin, forschten und fragten. Viel wußte niemand, nur ein Bahnwärter erzählte, er hatte die beiden Buben gesehen, einer hätte ein Gewehr gehabt und jeder einen Schulranzen.

»Das wird meine alte Windbüchse sein,« brummte der Bauer, »vor der läuft kein Hase mehr davon, geschweige ’n Franzose.«

Wo waren die Buben aber mit Ranzen und Schießgewehr hingekommen? In L. verlor sich ihre Spur, Fahrkarten hatten sie dort nicht gelöst. Waren sie geradeswegs in die fremde Welt hineingelaufen?

»Die finden wir schon,« sagten die Bahnbeamten. Und wieder surrte der Telegraph: Sucht, sucht, sucht, hier weinen Mütter in Angst um ihre törichten Buben.

»So eine Not fehlt uns auch noch!« schalten in Steinach die Erwachsenen. Die Buben, von den sechsjährigen an, die redeten anders. »Vielleicht kommen sie doch in den Krieg,« sagten sie untereinander. »Wenn sie hinkommen und mittun, dann geh’ ich auch,« erklärte Zimplichs Max.

»Ich auch, ich auch,« riefen dann gleich ein paar andere. Alle wollten sie gehen, und die Mädel schalten darob, fuchswild wurden die, waren bitterböse auf Arne und Jackenknöpfle und weinten, wenn es hieß: »Noch immer keine Nachricht.«

»Im Krieg müssen Mädel den Mund halten,« sagte Zimplichs Max einmal hochmütig, als Hinzpeters Malchen und ihre Freundinnen auf Arne schalten. Aber Zimplichs Max mußte dann bald einsehen, daß Malchen auch in Kriegszeiten nicht an das Mundhalten dachte. Zehnmal versuchte Max, ihr zu antworten, er kam aber nicht dazu, und zu guter Letzt rief Fräulein Regine noch, es sei Strickzeit. Da rannten alle Mädel wie der Wind davon, Malchen drehte sich noch auf den Hacken um und schrie verächtlich: »Wir stricken fürs Vaterland, aber ihr, ihr, was tut ihr denn?«

Weg war Malchen, und alle Buben entrüsteten sich über diese Frechheit. Nä, die Mädel sollten nur sehen, wenn sie alle erst Arne und Jackenknöpfle folgten. Die kommen hin, ganz sicher, und vielleicht kriegen sie das Eiserne Kreuz, und vielleicht redet der Kaiser mit ihnen, und vielleicht fangen sie den Franzosenkaiser und –

»Die haben doch keinen!«

»Doch, sie haben einen!«