»Ha, ich weiß es doch!« Zimplichs Max sah sich kampfbereit um, und Heine Langbein höhnte: »Nä, so dumm, das niche zu wissen!« Die Buben fuhren sich in die Haare, und Frau Besenmüller sagte zu Frau Fries: »Wenn nur erst wieder Schule wäre, ’s wird Zeit!«
Und just um die gleiche Stunde ungefähr wurde in L. ein Güterzug zusammengekoppelt. Die Wagen wurden hin- und hergeschoben, sie pufften aneinander, endlich standen sie in Reih und Glied. Wie sie so stillhielten, klang aus dem einen heraus ein jämmerliches Gebrüll.
»Je, je, was ist denn das?« Der Schaffner trat erstaunt an den Wagen, riß die Türe auf, und heraus purzelten und schwankten bleich, verheult und zitternd Webers Arne und Jackenknöpfle.
»Hopsassa, das sind ja die beiden Steinacher!« schrie der Mann. »Ja, wo kommt ihr denn her?«
»Wir woll’n in ’n Krieg!« riefen beide etwas kläglich.
»Na, das ist der nächste Weg, wenn ihr drei Tage hier auf dem Bahnhof sitzt. Wie seid ihr denn in den Wagen hineingekommen?«
Tief seufzend erzählten die beiden ihre Schicksale. Sie hatten kein Geld gehabt, Fahrkarten zu lösen, und hatten sich heimlich auf den Bahnhof geschlichen. Hier hatten sie einen Wagen gesehen, an dem stand Straßburg, in den waren sie hineingekrochen. Kaum waren sie drin, hatte jemand den Wagen zugeschlossen, und die Fahrt war losgegangen. »Wir sind immerzu gefahren,« versicherte Arne. »Sind wir nun bald im Krieg?« fragte er bedrückt.
»Im Krieg? Seid froh, daß der so ferne ist! In einer halben Stunde fährt der Zug nach Steinach, da seid ihr zum Vesperbrot daheim.« Der Bahnvorsteher, der dazugekommen war, lachte und erklärte den Buben, der Wagen sei zwischen L. und M. ein paarmal leer hin und her gefahren. Nun waren sie wieder in L.
Die beiden senkten die Köpfe wie die begossenen Pudel. So nahe waren sie der Heimat, waren gar nicht nach Frankreich gelangt. Heimlich frohlockte in ihren Herzen ein Stimmlein: »Wie gut, wie gut!« Aber darauf mochten sie nicht hören, und verzweifelt heulten sie los: »Wir woll’n in den Krieg!«
»Wohin wollt ihr Dreikäsehoch?« Eine feste, starke Stimme fragte das; ein hochgewachsener, älterer Offizier war herangetreten, und der Vorsteher klärte ihm den Fall auf. »In den Krieg zieht man nicht mit dem Schulranzen.« Der Offizier sagte es ernst, aber er lächelte dabei. »Kommt einmal mit, ich will euch etwas vom Krieg erzählen, bis euer Zug kommt.«