So zog Vater Hiller ohne stürmisches Klingelgeläut in seinem lieben Schulhaus wieder ein, und am nächsten Morgen stand Frau Besenmüller wieder vor der Türe, wie schon viele Jahre, und die Glocke schrie: »Es ist Zeit, Zeit, die Schule fängt an! Fleißige und Faule herbei, herbei!«
Die Kinder kamen gern, und als die so lange verschlossene Schulstube sich wieder auftat, da wurde es ihnen ganz heimatlich zumute. Auf einmal behaupteten sie alle miteinander, sie hätten die Ferien schon recht satt gehabt; aber auf die Weihnachtsferien freuten sie sich doch alle.
Den Erwachsenen war es nicht weihnachtlich ums Herz in diesem Jahr. Die horchten alle hinaus, hin nach des Reiches Grenzen. Immer weiter tobte dort der Kampf. Der November kam mit grauen, trüben Tagen, da kehrte Trauer ins Pfarrhaus ein: der älteste Sohn war gefallen. Der alte Briefträger sagte, als er die Nachricht überbrachte: »Es ist eine schwere Zeit für unsereinen, man trägt so viele Sorgen aus.« Dabei sah er trüb nach dem Schulhaus hinüber. Da drinnen wartete Frau Fries seit zehn Tagen auf einen Brief des Sohnes. »Morgen kommt der Brief,« versicherte der alte Briefträger, »morgen sicher.«
Am nächsten Tage – gegen Mittag kam die Post erst ins Dorf – rannte Fritze Schwetzer weit hinaus auf die Birnenstraße; von dorther kam der Bote, vielleicht brachte er heute den ersehnten Brief.
Der Alte winkte schon von weitem abwehrend mit der Hand. »Gibt nichts, morgen, morgen – vielleicht.«
Schwetzers Fritze raste zurück. Vor dem Schulhaus stand schon Frau Fries, da tat es der Bube dem alten Briefträger nach, schüttelte auch mit dem Kopf: »Morgen, morgen sicher!« Aber er sagte »sicher« dazu.
Und wieder wurde es Mittag, und wieder wartete Schwetzers Fritze weit draußen auf der Straße, und der alte Bote schüttelte wieder den Kopf. »Heute nicht, aber morgen – vielleicht.«
So ging es fort Tag um Tag. Einmal stand Fritze nicht mehr allein weit draußen, Pfarrers Regine stand neben ihm, die wollte auch wissen, ob Heinrich Fries nicht geschrieben hatte. Aber wieder schüttelte der Briefträger den Kopf. »Morgen – vielleicht,« sagte er, wie schon so viele Tage, und dann seufzte er: »Eine schwere Zeit, schlimm, schlimm!«
Tag um Tag verging so. Immer wieder lief Schwetzers Fritze hinaus, und Fräulein Regine ging mit ihm, und immer kehrten sie beide enttäuscht heim und sahen die alte Frau aus dem Schulhaus schon den Weg entlang kommen. »Kein Brief, keine Nachricht!«
Dann endlich eine Karte von einem Kameraden. Heinrich Fries wurde vermißt. War er tot, war er gefangen? Man wußte es nicht.