»Ja,« sagte Fritz und sah dem Alten fest in die Augen.

»Un reden mußte, Fritze, alles sagen.«

»Ja.« Fritz seufzte, das war schwer, aber es mußte sein. Er griff wieder nach der Tasche, und wieder hielt sie der alte Briefträger fest. »Wie ’n König seine Krone, justament so is das.« Er strich fast zärtlich über das abgeschabte Leder. »’s ist mir schwer geworden jetzt das Tragen. Ja ja, schwer. Aber weißte, Fritze, ’s war auch fürs Vaterland. Weil die Jungen fort sind, müssen’s die Alten tun. Ja ja! Un wenn du jetzt gehst, Fritze, denk’ dran, ’s ist auch fürs Vaterland. Niche rennen, un dann reden – – meine Krone trägste, Fritze, meine Krone, merk’ dir’s.«

»Ja,« sagte Fritze wieder, und seine Stimme tönte wie eine Glocke. Da gab ihm der Alte die Tasche. »Um mich brauch’ keiner sorgen, das is ganz scheene so in der lieben Gottessonne« – – er sprach nicht weiter, er nickte nur dem Buben noch einmal zu.

Der trabte von dannen. Er schritt rüstig aus, aber er rannte nicht, er rannte auch nicht, als er von weitem Frau Fries kommen sah. Es zuckte ihm freilich in den Füßen, er wäre ihr am liebsten entgegengestürmt, hätte ihr den Brief hingehalten, aber sein Versprechen zwang ihn, und er ging nicht einen Schritt rascher.

»Fritze,« rief Frau Fries ihm entgegen, »wo bleibst du? Wo ist der alte Klöppel?«

»Der Brief!« Fritz hielt ihn hoch empor, und da endlich konnte er ihn in die Hände der Mutter legen. Die faßte nach ihrem Herzen, das tat laute Freudenschläge, der Brief kam von ihrem Sohn – er lebte.

Sie konnte kaum mit ihren bebenden Fingern den Umschlag öffnen, und ein paar Augenblicke tanzten ihr die Worte vor den Augen, alles flimmerte und flirrte. »Er lebt, er lebt! Du gütiger Gott, mein Sohn lebt!«

Nur einen Augenblick blieb Fritz stehen, einen sehnsüchtigen Blick warf er auf den Brief. Was mochte darin stehen? Doch sein Versprechen zwang ihn vorwärts, und sein Versprechen zwang ihn zu reden, er sagte: »Klöppel ist krank, ich muß die Briefe austragen und nach Ringelheim gehen.«

Zum erstenmal achtete Frau Fries nicht auf das, was Fritze Schwetzer sagte, und der ging still weiter und ließ die Mutter mit dem Sohnesbrief allein.