„Wenn Leo Seidel doch gescheit ist! . . . Postdirektor werden kann. Wer kanns wissen?“

„Ganz recht, wer kanns wissen. Man muß sich schon überlegen, ob man Hoffnungen wecken soll, denen von vornherein die Armut schwer im Wege liegt . . . Da eröffnen sich verschiedenerlei wüste Perspektiven.“

„Ich würde Seidel aber doch helfen, wenn ich Sie wäre“ sagte Jürgen ganz langsam.

Und alt lächelnd Herr Philippi: „Und ich, ich habe nicht den Mut dazu.“

‚Hilf doch, sonst bin ich verloren‘, schrie eine Stimme verzweifelt in Jürgen. „Sie würden auch mir . . . Es wäre auch für mich gut.“

‚Weiß schon, um was es sich handelt‘, dachte der Alte und schickte Jürgen barsch fort, rief ihn noch einmal zurück. Zwischen Abweisung und Güte schwankend: „Du gehst jetzt nach Hause, verstehst du, nach Hause . . . und hältsts aus. Hältst alles aus! Verschwinde!“

Die Tante ging selbst zum Briefträger, holte die Weltgeschichte zurück. Und einen Tag später stand die ganze Begebenheit auf den Gesichtern der Mitschüler. Die Lücke, die Seidel hinterlassen hatte, war durch Vorrücken ausgefüllt worden.

„Jetzt trägt er Backsteine an einem Neubau.“ Karl Lenz machte das Backsteintragen vor, krümmte den Rücken, ächzte.

„Und so las er Roßbollen auf.“ Ein anderer tat, als habe er einen Besen in der Hand, und log: „Ich sah, wie Seidel die Straße kehrte . . . Die frischen Roßbollen kehrte er zusammen.“

Vorsichtig und ängstlich näherte Jürgen sich dem Gelächter, stimmte ein, ohne zu wissen, weshalb die andern lachten.