Die Worte tropften glühend in den Ausgelieferten hinein.

„. . . Und deshalb nehme ich mir das heilige Versprechen ab, den Sohn, Jürgen Kolbenreiher, nach dem Willen seines unvergessenen Vaters zu erziehen und ihn Subalternbeamter werden zu lassen, da er, nach meines seligen Bruders Meinung, die Fähigkeit zu etwas Größerem nicht hat . . . So ists, Jürgen, siehst du. Nun werde mir bald wieder gesund . . . Wenn du auch nicht so bist, wie du sein könntest, ich habe dich doch lieb.“ Sie sah ihn freundlich an, streichelte seine nassen Haare und rief erschrocken: „Du hast ja wieder Fieber.“

Wangen und Augen glühten. Die rechte Gesichtshälfte lachte.

Die Ärzte wurden geholt. Eisbeutel aufgelegt. Der Rückfall war kurz und heftig.

Jürgen verließ das Bett als verschlossener Jüngling, dessen früherer Wille, sich durch die Wirrnisse der Jugend durchzufressen, unterbunden war. Die Tante äußerte oft ihre Zufriedenheit. Denn nur wenn sie ihn etwas fragte, antwortete er, je nach Wunsch „Ja“ oder „Nein“. Niemals Nein, wenn ein Ja erwartet wurde.

Seine grenzenlose Nachgiebigkeit lieferte ihn allen, selbst viel jüngeren Schülern, aus. Körperlich wuchs er gleichsam über sich selbst hinaus, wurde sehr lang und stark.

Das Lernen für das bevorstehende Examen verschob er von Tag zu Tag, fuhr Schlittschuh, flußaufwärts.

Die eisbrechenden Schiffer schimpften ihm wütend nach, da hier das Schlittschuhlaufen äußerst lebensgefährlich war, der vielen, großen, quadratischen Wasserlöcher wegen.

In dem Gefühle, durch eine körperliche Kraftleistung, durch große Schnelligkeit seine seelische Gebundenheit lösen zu können, sauste Jürgen an den unverhofft sich auftuenden grünen Wasserlöchern vorbei, bis die Nacht ihn überraschte.

Schnurgerade führte die Landstraße zur Stadt zurück; der Fluß dagegen zog einen mächtigen Bogen, so daß Jürgen zu Fuß schneller nach Hause gekommen wäre, als auf dem Eise.