Und der Vater sagt: ‚Entschuldige, daß ich dich ein „schmähliches Etwas“ genannt habe . . . Wie konnte ich dich nur so verächtlich und gleichgültig behandeln. Unbegreiflich.‘ Jürgen lächelte bescheiden.
Die Tür des nebenan liegenden Bibliothekzimmers wurde nach dem Gange zu geöffnet. Und Jürgen hörte, wie der Vater, der krank im Lehnsessel saß, zu Herrn Philippi, einem alten Freund des Hauses, sagte: „Ich werde ihn in ein Bureau stecken. Er taugt zu nichts anderem. Tölpelhaft und feig ist er.“
Jürgen drehte, als stünde er vor dem Vater, Kopf und Schultern gedemütigt seitwärts und hob die Brauen, daß die Stirn Falten bekam.
„Niemand kennt die Möglichkeiten, die in einem so jungen Menschen liegen. Niemand kennt das Maß einer unfertigen Seele“, sagte Herr Philippi. Die Brillengläser in seinem vertrockneten Geiergesicht funkelten.
Auf dem Gange fing ihn die Tante ab. „Wie gehts ihm? Wie gehts meinem Bruder?“
„Schwermütig, meine Liebe.“ Herr Philippi wollte fortstelzen.
Sie erwischte ihn noch am Ärmel. „Daß dieser bedeutende Mann so einen Sohn haben muß. Wir schämen uns seiner . . . Heute sagte der Vater zu ihm: Du kommst in ein Bureau. Das ist das Beste für dich . . . Und das ist auch meine Meinung.“
Zornig blickte Herr Philippi in die harten Augen des alten Mädchens. „Dann erziehen wohl Sie ihn, falls Ihr Bruder sterben sollte? . . . Kann ich mit Jürgen sprechen?“
„Ja, ich erziehe ihn. Sprechen? Nein, jetzt nicht. Er schreibt gerade seinen deutschen Aufsatz: ‚Die Bedeutung der Tinte im Dienste des Kaufmanns‘ . . . Sprechen können Sie ihn jetzt nicht. Der Stundenplan muß streng eingehalten werden.“
„Da ist er also jetzt schon im Bureau?“ Herr Philippi deutete zur Wand: „Da fehlen nur noch die Regale.“