„Oder, oder — ich weiß — Ihr seid Braut mit dem gar lieben, jungen Herrn von Ellenroth — ist Euch der etwa untreu geworden? Dann weinen gewöhnlich treue Mädchen, die Gott danken sollten, daß sie vorher klug werden, nicht nachher!“

— Die Gestalt lehnte sich kraftlos an. —

„Oder ist er Soldat geworden, und kann erschossen werden? Oder ist er schon Soldat und zerhauen worden?“

Die Verschleierte stöhnte tief, aber das Stöhnen klang Weckern wie Freude.

„Oder . . . wenn nur Euer Vater, der ehrbare Herr Paschalis nicht gestorben ist,“ sprach er, „so wird sich Alles geben. Ihr lebt ja! Aus Euch ist noch Alles zu machen, die schönste, beste Frau im Lande! Und für allen Dank erbitte ich mir nur auf Eurer Hochzeit erscheinen zu dürfen — ein Hochzeit- oder Kindtaufenschmaus ist das beste Regal der geplagten Schulmeister! Und da ich nicht mehr geplagt bin, wird es mir desto besser schmecken, und gar erst auf dem Kindtaufenschmaus . . .“

— Die Gestalt beugte ihr Haupt, und drückte die Ballen der Hände in die Augen. —

„. . . Da wird sich Wecker freuen, wie der Großvater Paschalis! fuhr er unwissend fort, gutgemeinte, aber der unerhört Gefallenen oder gewaltsam Herabgerissenen, entsetzliche, unerhörte Worte zu sagen: „Denn wenn der gemeinste Schuft Vater, ach, Vater und endlich gar Großvater wird, und noch so verwerflich gelebt hat, wird er eine Respectsperson, und so betrachtet, so behandelt; und der himmlische Vater stößt Jeden selbst mit der Nase auf seine Würde, und aller Firlefanz fällt nun weg — es geht ihm Niemand mehr darauf ein, wer da weiß, was er ist und vorstellt auf Erden bei Menschen und bei den Seinen. So sicher und herrlich sorgt Gott für Jeden, der nur jemals Eine seiner lieben Jungfrauen recht angesehen hat; denn dann muß er heirathen; über sein, ihm von Gott hingesetztes Kind erschrecken, erstaunen, das Wunder bewundern, das Mysterium der Kindtaufe ausrichten, sich Vater von seinem Weibe rufen lassen, und ein neues, seliges Leben anfangen, er mag wollen oder nicht.“

— Die Verschleierte schrie laut. —

Wecker schwieg betroffen, aber in seiner Freude setzte er hinzu: „Ihr seid verschämt, und ein keusches Kind, das wissen wir, darum vergebt! Denn ich habe große Freude. Wäre die arme Clementine der armen Christel nicht umgekommen, so rannte ich nicht auf den Thurm! Wollte mich der Teufel nicht zu einem Teufel machen, so wäre ich nicht Euer Engel geworden und hätte Euch nicht gerettet — denn ich war fort! Oder gar nicht da! Furchtbar! Entsetzlich! Ja nun freu’ ich mich ordentlich, daß ich so alt geworden, so lange gnädiges Brod — sogenanntes Gnadenbrod, aber von der guten Christel: wirkliches — gegessen, und ich möchte bald rufen wie Satan: Es lebe Christus, der Sohn . . . . aber heut kann ich nicht, vielleicht morgen — wenn ich ihn vergessen. Aber wollt Ihr nicht mit hinunterkommen zu der armen Christel? Ihr könnt ihr helfen das Kinderzeug machen, das letzte weiße Kleid, das nicht mehr gewaschen wird! Kommt!“

— Sie wollte aufstehen und reichte ihm matt die Hand. —