Delphine –, welch ein Zauber umfängt mich wieder! Wie beneide ich den Glücklichen, der Sie sehen durfte; wie preise ich das Unglück, das Sie nur noch schöner werden ließ!
Seit der Dauphin von uns gegangen ist –, es war wirklich ein leises Davongehen, kein Sterben, – hat die Königin nicht mehr gelächelt. Ihr Bild zauberte endlich wieder einen hellen Schein auf das Gesicht der Unglücklichen.
»Ich küsse sie zärtlich in Gedanken, die liebe, kleine Marquise,« sagte sie.
Und noch eine andere, eine ganz andere, hat das Bildchen angelächelt: die Guimard.
»Zum letzten Tanz« hatte sie ihre alten Freunde geladen. Ihr Hotel strahlte von hundert Kerzen, ihre Tafel bog sich unter dem Silbergerät; ein Netzwerk köstlicher Rosen hing unter dem Plafond.
Sie tanzte noch einmal alle Tänze, die ihre Triumphe gewesen waren, nur langsam, gleichsam zögernder, als einst, – wie im Traum. Und währenddessen regnete es Rosenblätter.
»Die Rosen welken,« meinte die Tänzerin wehmütig. »Es liegt in Ihrer Hand, sie wieder blühen zu machen« – »Wie können Sie von uns gehn!« – »Was ist die Oper ohne Sie?!« rief alles durcheinander. Aber ihr Entschluß, der Bühne zu entsagen, war unwiderruflich.
»Perrückenmacher und Lakaien sind die Richter der Talente geworden; ich aber habe meine Erfolge nur dem Urteil der besten Kreise verdankt; soll ich mich dazu hergeben, mich von der crapule kritisieren zu lassen,« erklärte sie, und wir widersprachen nicht mehr.
Ein paar Tage später sandte sie mir eine Karikatur: unter federngeschmückter Perrücke eine Frau mit geschminktem Totenkopf, unter dem rosa Gazeröckchen ein Knochenbein in die Luft werfend –, »das Skelett der Grazien« stand daneben, »der Dank der Pariser« auf der anderen Seite in der Schrift der Guimard.
Es ist heimlicher in Ihrer alten Gespensterburg, süße Delphine, als mitten in Paris.