Graf Guy Chevreuse an Delphine.

Straßburg, den 3. März 1775.

In jedem Buchstaben Ihrer Antwort, verehrteste Marquise, bebt die Entrüstung: Weil ich »eine trunkene Tänzerin herausforderte«, von Ihnen Märchen zu erzählen, weil ich »so tief gesunken« bin, zu glauben, die Marquise Montjoie könnte mit einer Guimard auch nur einen Gedanken teilen. Ich fühle mich geschlagen, vernichtet, gnädigste Marquise; ich bin bereit, für meine Sünden kniefällig um Verzeihung zu bitten, – wenn Sie mir gestatten wollten, es nicht nur auf dem Papier zu tun!

Fordern Sie, was Sie wollen, – nichts wird mir zu erfüllen unmöglich sein, ist Ihre Gunst der Preis dafür. Ich fühle mich schon als Ihren Beauftragten gelegentlich meines heutigen Gesprächs mit dem Herrn Marquis.

»Nur des Königs ausdrücklicher Wunsch würde mich bewegen können, in Versailles zu erscheinen,« sagte er; »die Berufung Turgots ist ein Schlag ins Gesicht für den Edelmann; der König muß wenigstens durch unser Fernbleiben empfinden, was die Loyalität uns auszusprechen verbietet.« Meinen Einwand, daß die Königin dem gesamten Ministerium feindlich gegenübersteht und nichts sehnlicher wünscht, als durch die Heranziehung Gleichgesinnter ihre Position zu stärken, beantwortete er mit einem: »So mag Ihre Majestät uns rufen!«

Auf Grund dieser Bemerkung dürfen wir hoffen, Frau Marquise. Wie dieses »wir« mich entzückt! Sie mögen sich sträuben, wie Sie wollen, schöne Delphine: ein Gefühl und ein Geheimnis haben Sie gemeinsam mit mir –, das sind die ersten Glieder einer Kette, die ich fester zu knüpfen mich rastlos bemühen werde.

Wann empfangen Sie mich? Ihrer gnädigen Antwort sehe ich entgegen.

Karl von Pirch an Delphine.

Straßburg, am 9. März 1775.

In der sternhellen Frühlingsnacht, angebetete Frau, bin ich stundenlang über die Wälle gegangen, habe vom feuchtwarmen Wind meine Haare durchwühlen lassen, und, von Zeit zu Zeit erschöpft mich auf die Erde werfend, meine glühenden Wangen an ihrer Brust gekühlt.