Ich habe immer gehofft, Du würdest mir mein Manuscript von der Andacht zum Kreuz mit einer Gelegenheit zukommen lassen. Mein Brouillon wird in der Druckerei gebraucht, zum Vorlesen im Collegium muß ich jenes nothwendig haben, ich bitte Dich also, es mir nicht länger vorzuenthalten. Mit meinem Exemplar der Nibelungen und dem Moreto hat es weniger Eil, diese können auf eine Gelegenheit warten, und ich hoffe, Du bringst sie mir noch selbst mit. Den Ion wirst Du wohl schon an meine Schwester geschickt haben, sonst thu’ es doch unverzüglich.

Ich habe immer noch Deine Velin-Exemplare vom 2ten Band Novalis in Verwahrung. Reimer hat mir nachher ein eignes Velin-Exemplar vom 2ten Band für mich geschenkt, welches ich allerdings durch mein fleißiges Corrigiren redlich verdient habe. Indessen fehlt mir der 1te, wenn Du davon noch ein Exemplar übrig hättest, könnten wir Deiner Schwester damit ein Geschenk machen. Hast Du das aber durchaus nicht, und ergänzt Dir dieser 2te Band ein Exemplar, so bin ich bereit, einen Tausch einzugehn. —

Mein Bruder hat mir umständlich geschrieben. Er ist entzückt über Deine musikalischen Gedichte und ladet Dich dringend zur Theilnahme an der Europa ein, wovon wir bald das 1ste Stück erhalten sollen. Besonders die Fortsetzung Deiner Briefe über Shakspeare wünscht er sich außerordentlich.

Ich möchte Dir gern vieles aus seinem Briefe mittheilen, habe aber heute unmöglich Zeit. Nur so viel, daß er sehr fleißig ist, schon Persisch gelernt hat, und Indisch bald anfangen wird.

Ich habe unterdessen mancherlei Proben mit Uebersetzungen aus den Griechen gemacht, die Dir interessant sein würden.

Gegen ehemals spüre ich große Fortschritte in dieser Kunst, die ich ebensowohl wie die Nachbildung der Romantischen Dichter bis auf den höchsten Punkt zu cultiviren gesonnen bin.

Deine Schwester läßt Dich auf’s zärtlichste grüßen. Diese ganze Zeit her hat sie gewünscht, Dir recht umständlich zu antworten, allein theils ist sie nicht allein gewesen, theils hat sie sich so befunden, daß ihr das Schreiben sehr beschwerlich fällt. Sie rechnet gewiß darauf, Dich, wie Schütze[18] uns gesagt, im März noch hier zu sehen, und ladet Dich auf’s herzlichste dazu ein. Wegen ihrer Gesundheit darfst Du nicht in Sorgen sein, ich hoffe, es ist auf dem guten Wege damit, sie gebraucht die Mittel anhaltend, und besonders erwarte ich viel Frucht vom Baden, welches sie theils wegen der Kälte, theils wegen eintretender Zufälle noch wenig hat thun können. Die Kinder sind sehr gesund.

Das dramatische Mährchen (noch hat es weiter keinen Namen) habe ich jetzt endlich in’s Reine geschrieben, Dir eine Abschrift zu besorgen war nicht möglich. Komme nur her, so wollen wir es zusammen lesen. — Deine Schwester hat ein neues angefangen und es auch schon ziemlich weit geführt, bis sie durch ihr Befinden abgehalten wurde, fortzufahren.

Lebe recht wohl, es ist mir unmöglich, mehr zu schreiben, ich stecke tief in Arbeiten. Der Himmel weiß, wie ich noch alles bestreiten werde, was ich vorhabe.