Heute früh war er da!

So rasch hatte ich die Wirkung meines Briefes nicht erwartet. —

Ich war sehr erschrocken, als mir Rudolph Schönewald gemeldet wurde. Ich warf einen Blick in den Spiegel und erschrak noch mehr über das blasse Gesicht, das mir aus der schwarzen Umrahmung doppelt blaß entgegenschien.

Es klopfte an die Tür. Ich trat einen Schritt vor – es war mir nicht möglich, »Herein« zu rufen – da stand er auch schon vor mir. —

Was hatte ich mir alles vorgenommen! Was wollte ich diesem Manne ins Gesicht schleudern, jahrelang angehäuften Groll, Verachtung, alles, alles – und nun sagte ich gar nichts.

Er stand vor mir, den Hut in der Hand, das blonde Haar an den Schläfen stark gelichtet, mit unsicheren, ängstlichen Augen, und sagte ebenfalls nichts.

So mußte ich anfangen.

»Sie wünschten mich zu sprechen, Herr Schönewald?«

»Ja – Sie schrieben mir, gnädige Frau, und – da – ich – dachte —«