Ich fühle mich seit einigen Tagen gar nicht wohl. Ist es die Unruhe wegen Werner, die mich quält, oder steckt mir eine Krankheit in den Gliedern? Das Essen will mir gar nicht schmecken, obgleich es im allgemeinen ganz gut ist.
Auch Bronja meint, daß es in dieser Weise bei der Rottmann recht anständig sei. Es gibt reichlich und gut zu essen und wenigstens einmal am Tage – abends um sechs Uhr – eine gemeinsame Tafel.
Wie ich von den anderen schon gehört habe, gibt es Häuser, wo die Mädchen noch nicht einmal ausreichend beköstigt werden und wo sie sich noch zum Teil von ihrem eigenen Geld unterhalten müssen. — —
Ich werde immer unruhiger. Wenn ich richtig rechne und sonst nichts dazwischen kommt, muß das Schiff bald ankommen.
Ich bin förmlich wie im Fieber, es kann nicht allein die Sehnsucht nach Freiheit sein.
Wenn ich an Werner denke, überläuft mich ein so sonderbares Gefühl, ein traumhaftes Glücksempfinden überkommt mich, das ich aber immer rasch wieder abschüttele. —
Ich bin abergläubisch geworden, ich fürchte, wenn ich schon zu fest an mein Glück glaube, so zerrinnt es wie eine Fata Morgana vor meinem sehnsüchtigen Blick. — —
Die beiden zuletzt Angekommenen habe ich auch einmal unbeobachtet gesprochen. Es sind ein paar Süddeutsche. Sie haben sich unterwegs bereden lassen, als Kellnerinnen hierher zu kommen. Anfangs sind sie ziemlich unglücklich gewesen, ergeben sich aber jetzt in ihr Schicksal. Die eine, die Sepha, anscheinend die Schlauere, sagt: »Mir werden uns halt a Geld sparen und hernach gehn m'r wieder ham, da waß ka Mensch net, wo m'rs Geld her ham.« —