Der Doktor hatte an alles gedacht. Im Auto lag ein Mantel, in den ich schlüpfen mußte, damit meine Kleidung bei den Hotelbediensteten nicht auffiele und etwaigen Nachforschungen Vorschub geleistet würde. Ich bekam ein Zimmer, Werner ließ sich eines daneben geben, dann schloß er mich ein und, ich war allein – allein und in Freiheit.

Am anderen Morgen – Werner hatte einen Tag Urlaub genommen – telephonierte er an ein Konfektionsgeschäft und ließ mir etwas anständige Garderobe kommen.

Unter dem Vorwand, daß ich mit dem Schiff gekommen sei und unglücklicherweise meinen Koffer eingebüßt habe, wurde ich vollständig neu ausgestattet.

Ein einfaches, dunkelblaues Kostüm, ein Reisehut und Stiefel waren das Nötigste. Dann bekam ich noch ein einfaches Straßenkleid, und die bürgerlich einfache Dame war fertig.

Ich nahm alles widerspruchslos an. Es waren Wohltaten, die ich vielleicht nie würde vergelten können; ich mußte sie annehmen.

Vorläufig dachte ich nur an den Augenblick. —

Als ich mit allem fertig war, und wir in meinem Zimmer beim Lunch saßen, sagte Werner: »Heute nachmittag fahren wir nach New York hinüber zu Pastor Schneider und lassen uns trauen.«

»Nein, o nein!« rief ich, »tun Sie das nicht!«

»Nun, nun,« sagte Werner, »warum denn nicht?«

»Sie – werden es später bereuen, bitter bereuen. Ich darf Ihre Güte so nicht ausnutzen. Das Mitleid mit meiner verzweifelten Lage hat Sie handeln lassen, aber nun ist es genug.«