»Und meinen Sie, ich hätte dies alles getan, wenn ich nicht von Anfang an die Absicht gehabt hätte, Sie zu heiraten? Ich weiß alles, was Sie mir sagen wollen; ich weiß, daß Hunderte von jenen Mädchen nicht verdienen, daß ein anständiger Mann auch nur den Finger um sie rührt, ich weiß aber auch, daß Sie keine von denen sind. Sie haben Unglück gehabt – es wird bei Ihnen liegen, zu beweisen, daß es unverdientes war.« — —

Es ist nicht schwer für einen jungen Mann, ein junges Mädchen, das ihm sowieso schon zugetan ist, zu bereden, ihn zu heiraten, ihr plausibel zu machen, daß sie nicht zu schlecht für ihn ist.

Ich erinnerte mich so mancher, mit der ich zusammen war, die sich keinen Augenblick besonnen haben würde. Ich dachte auch an manche, die wirklich besser war, als so viele verheiratete Damen, die geachtet dastanden und doch innerlich nichts taugten, und all meine großen und festen Vorsätze schmolzen dahin wie Butter an der Sonne. — – Wenn ich von jetzt ab ein tadelloses Leben führte, war dann nicht alles gut? Was aber, wenn später bei Werner die Reue kam?

»Sie werden es später bereuen, lieber Freund! Gesetzt den Fall, es käme durch irgendeinen Zufall heraus, wo Sie mich hergeholt haben, ich könnte es nicht ertragen, Schande über Sie gebracht zu haben!«

»Das brauchen wir nicht zu befürchten. Kein Mensch von unserem Schiff ist drüben in jenem Hause gewesen, keiner hat Sie gesehen.«

»Und wenn doch? Sie kennen die Menschen nicht, mein Freund! Ich will Ihre Freundin sein, Ihre Dienerin, alles will ich für Sie tun, und wenn Sie mich nicht mehr wollen, dann schicken Sie mich fort – dann –« Ich fing an zu weinen. Das ganze Elend meiner jungen Jahre kam mir mit Allgewalt zum Bewußtsein.

Wäre es nicht besser, ich wäre tot? Wem nützte mein Dasein?

»Weine nicht, Liebling! Du mußt mein Weib werden. Es ist unmöglich, wie du dir das denkst. Ich kann so nicht neben dir leben, ich habe dich lieb – komm, sei vernünftig und gib nach. Magst du mich denn nicht auch ein wenig leiden? Ich schwöre dir, ich rühre dich nicht eher wieder an, bis du mein Weib bist; bedenke – ich bin ein Mensch von Fleisch und Blut – und ich liebe dich – quäle mich nicht länger.«

»Wenn ich nur wüßte, daß es zu deinem Glücke wäre, daß ich dadurch nur etwas von der großen Schuld abtragen könnte, wie gern würde ich dir gehören. Aber deine Zukunft, dein Glück!« entgegnete ich, nur noch schwach widerstrebend.

»Mein Glück und meine Zukunft bist du! Laß die Menschen sagen und tun was sie wollen, wenn nur wir beide zufrieden sind. Komm, sag' ja!«