Morgen kommen wir an. Man merkt es an der Unruhe unter den Passagieren. Alle haben zu packen, zu schreiben und zu besprechen; wie in einem Bienenkorb ist es.
Ich allein habe nichts zu packen und zu schreiben – ich besitze nichts, auch habe ich mich dieses Mal mit keinem Menschen bekanntgemacht. Ich bin mißtrauisch geworden. Was ich früher zu offen und zu vertrauensselig war, bin ich nun zu scheu. — —
Ich weiß nicht, wie mir ist – ein sonderbares Angstgefühl quält mich die letzten Tage. Ich will mir mit Gewalt das Glücksempfinden, das mich zu Beginn der Reise beseelte, zurückzwingen – ich kann es nicht.
Ich sollte mich freuen, der Heimat näherzukommen und kann es nicht.
Schlaflos wälze ich mich des Nachts auf meinem Lager, sonderbare beängstigende Träume quälen mich, ich habe versucht zu beten – ich kann es nicht. Will Gott nichts mehr von mir wissen, weil ich sein Dasein angezweifelt habe? Aber hatte ich nicht ein Recht dazu? Kann man an Gott und seine Allmacht glauben, wenn man so entsetzliche Dinge erlebt?
Warum läßt dieser Gott, der doch ein Gott der Liebe sein soll, zu, daß ein schuldloses, unerfahrenes Mädchen so vergewaltigt, gemartert und gepeinigt wird! Und doch will ich mir Mühe geben, aufs neue an seine Güte und Allmacht zu glauben. Ich will gut sein. Doch dann darf ich nicht mehr an das Vergangene denken. Erst wenn ich das Entsetzliche ganz aus meiner Erinnerung ausgelöscht habe, wird es mir möglich sein, den alten Kinderglauben wiederzufinden. --
Im eigenen Heim!
Wer kennt nicht den Zauber dieses Wortes?