Du Bartas sagte auf jeden Fall: «Du wirst nicht noch einmal erzählen, Wirt, daß Hugenotten etwas schuldig bleiben.» Ihm antwortete Schweigen, währenddessen näherten sich marschierender Tritt und Fackelschein: die Straßenwache. Der Offizier und ein Mann erschienen in der Tür: «Wo sind die Hugenotten?»
«Da!» rief der Wirt, den Finger ausgereckt nach dem Langen und dem kleinen Alten. «Hühner frißt das, und ihr Geld kam mir gleich nicht katholisch vor.» Der rote Kerl, der Verkrüppelte und die anderen drei Gäste samt den Weibern bestätigten es unverlangt. Erst auf strenge Fragen des Offiziers wurde zugegeben, daß noch mehrere hier gewesen waren. Aber das Geld war von diesen beiden! «Gewiß haben sie jemand überfallen und ausgeraubt: wir dachten es uns.» Sie wurden dann auch mitgenommen.
Du Bartas bekümmerte sich nicht weiter um Henri, sondern ging mit dem Offizier voran. Es war zu vermuten, was er ihm eröffnete, denn es hatte zur Folge, daß die Wache ihren Weg änderte. Bald kam man vor ein Haus, das Henri erkannte: Palais Condé, hierher wäre er gleich anfangs gegangen, hätte nicht ein verkleidetes Abenteuer ihn verlockt und aufgehalten. Er wurde schon längst erwartet. Diener mit Laternen stürzten beflissen herbei, und sogar über das sonderbare Aussehen des Königs von Navarra waren sie unterrichtet, denn sie verneigten sich vor ihm bis auf den Boden. Da tat dies plötzlich auch Du Bartas.
Die letzte Stunde
Henri wurde zuerst in ein Zimmer geführt, wo er sich säuberte und umzog, dann aber in ein anderes: darin saß der Admiral Coligny. Er wollte aufstehn; Henri war schneller und nötigte ihn, im Sessel zu bleiben. Auch die Prinzessin von Bourbon war zugegen, und sie beugte vor ihrem Bruder ein Knie. «Da ich Ihre ergebene Dienerin bin, Herr Bruder, erlauben Sie mir, bitte, mitanzuhören, was Sie und der Herr Admiral in der letzten Stunde beschließen.»
Sie sagte es so eindringlich wie bei Tafel ihr «Denk an unsere Mutter!». Beides, Ernst und Förmlichkeit, sollten den Bruder ganz zu sich rufen. Catherine wußte zu gut, wen er im Sinn trug und was alles er dafür imstande war zu vergessen. Sie war noch ein Kind, ihre Stimme schwankte; aber sie hatte gesprochen. Jetzt zog sie sich aus dem Lichtschein zurück.
Henri sagte: «Herr Admiral, Ihr Wunsch, mich heimlich zu sehen, begegnete sich mit dem meinen, ich habe nicht widerstanden.»
«Die Königin von Frankreich ahnt nichts?» fragte Coligny.
«Ich bin dessen sicher», sagte Henri, so wenig er es war.
Coligny sprach: «Sie müssen erfahren, was Sie selbst noch nicht wissen können: wir werden nicht geliebt in Paris. Ihre Heirat ändert daran nichts, man haßt uns, weil man die Religion haßt.»