«Sie wollte dasselbe, was der Herr Admiral will?» fragte er ergeben.

«Sie wollte mehr.» Die Schwester wuchs, auch ihre kleine Stimme. Sie schob den Bruder so weit von sich, daß ihre ausgestreckten Hände auf seinen Armen lagen. Ihm in die Augen sprach sie: «Fort von Paris, mein Bruder! Vor Tagesanbruch alle Unseren aus ihren Quartieren geholt und abziehen, auch wenn Gewalt dafür nötig wäre. Reitende Boten über das Land! Die Königin Jeanne! Vergiftet ist die Königin! Das Volk erhebt sich, das Heer steht sogar aus den Schlachtfeldern wieder auf, mein Bruder, und so rücken Sie an zu Ihrer Hochzeit. So will es unsere Mutter. Das und nichts anderes ist ihre Nachricht und Befehl!»

Da ließ Kathrin ihn los und trat zurück, wie ein Bote, der den Auftrag erfüllt hat und nun schweigt. Er war auch über ihre Kraft gegangen: sie atmete schwer. Hier innen lag große Schwüle; zugleich damit bemerkte Henri, daß etwas Ungewöhnliches vorging. Dieses Gespräch hatte alle drei in dem verschlossenen Zimmer dahin gebracht, daß sie den Atem verloren und die Wirklichkeit verließen. Der Herr Admiral stand hinter seinem Sessel, hielt die Hände erhoben und verschränkt, auch sein Blick war hinaufgerichtet, und allein für den in der Höhe sprach er Worte des Psalms.

«Befiehl, o Gott, daß alle fliehn,

Du läßt ja auch den Rauch verziehn,

Der auf dem Feld gekrochen.

Das Wachs hält nicht dem Feuer stand,

Den Bösen wird von Gottes Hand

All ihre Kraft gebrochen.»

Henri öffnete ein Fenster in die schwarze Nacht. Blitze fuhren durch den entfernteren Himmel, und ein heißer Wind trug die feurigen Wolken fliegend herbei. Henri wollte nichts davon wissen, daß Feinde wie Rauch um ihn her schlichen. Er weigerte sich, Gott anzurufen gegen die Bösen. Er drängte mit allen seinen Kräften nach dem Abenteuer, das Margot hieß; aber es hieß auch: der Louvre, und die Leidenschaft seiner Sinne war dieselbe, mit der er das Schicksal begehrte.