Vorübergehend war er ernüchtert und konnte allein stehen, Lothringen und Navarra ließen ihn los. Henri, der die Hände frei bekam, sah sich um. Den Haufen an der unsichtbaren Grenze fand er verändert, nicht mehr nur neugierig oder wachsam. Drohend schob der Haufe der Katholiken sich jetzt um ihn zusammen — hin und her schwankend, weil rückwärts die Protestanten mit ihnen handgemein wurden, um nach vorn zu gelangen. Einige ihrer Führer waren auf Stühle gestiegen, nur Du Bartas befehligte sie aus seiner natürlichen Höhe. Alle schrien plötzlich durcheinander; keine königliche Gegenwart hielt sie ab, das menschliche Übereinkommen zu sprengen, und ihr Atem kündigte in wilder Vermischung die Brechung der letzten Fesseln an. Zweifellos sollte Blut fließen.

Genau in dem Zeitpunkt, als es soweit war, rührten sich hinter Elisabeth von Österreich die beiden spanischen Priester. Sie tauchten ganz und gar unter, ohne daß die Urheber zu sehen gewesen wären, begann der erhöhte Sitz der Königin mit ihr davonzuziehen. Es ging mit Stolpern und Stoßen wie eine Theatermaschine; auch die silbernen Felsen zu Beginn des Festes hatten sich nicht anders fortbewegt unter dem nackten König und allen anderen Meergöttern. Aber es ging, und glücklich verließ mit einem letzten Aufbäumen der Sitz des Hauses Habsburg dort hinten die Schwelle. Bevor die Tür darüber zuschlagen konnte, sah man grade noch den verhüllenden Teppich beiseite geschoben werden — und mühselig hervorkriechen und hochkommen die beiden spanischen Priester, denen die Zunge aus dem Hals hing.

Laut lachte der von Navarra — ein Gelächter, das kein einziger Mensch im Saal ihm ernstlich übelnehmen konnte, denn es war heiter von Grund auf. Es widerlegte alles Böse, und für den Augenblick erleichterte es jeden von seiner Streitlust.

Dies begriff mit unverzagter Geistesgegenwart ein kleiner Mann, der weit hinten auf einem Stuhl stand; manche kannten seinen Namen: Agrippa d’Aubigné. Der sang in den höchsten und lieblichsten Tönen: «Die Königin von Navarra vergießt Tränen der Erwartung auf ihrem berühmten schwarzseidenen Lager. Welcher Mensch kennt den folgenden Tag. Daher auf und begleiten wir den Bräutigam!»

Er bekam Beifall, aber der besseren Wirkung wegen ging er zu Versen über.

«Nicht fern ist uns der Tod. Erst dann ist uns gegeben

Ein Leben ohne Tod, nicht mehr ein falsches Leben.

Gerettet ist das Leben, der Tod, er ist besiegt.

Wer will nicht sicher gehn, wer möchte immer scheitern?

Wem macht die schwere Fahrt noch Lust, sie zu erweitern,