Wer ist nicht froh, wenn er zuletzt im Hafen liegt?»
Das wies auf den ersten Blick keinen Zusammenhang mit der Sache selbst auf, oder höchstens einen komischen: weshalb der Sänger alle zum Lachen brachte und gewonnen hatte. Karl der Neunte verkündete laut, er wollte mit seinem ganzen Hof seinen Schwager Navarra zum Beilager mit seiner Schwester geleiten. Er nahm den jungen Ehemann bei der Hand. Auf die andere Seite Navarras stellte sich Lothringen; das war die spannendste Einzelheit: der frühere Liebhaber, den neuen Gemahl zum Beilager geleitend. Daraufhin ordneten sich die Reihen, ohne Unterschied der Religion. Wer noch soeben vor dem Losschlagen gestanden hatte, gab sich eine vergnügte Frist, und der Zug begann. Er nahm unterwegs die Menge der Ehrenfräulein auf. Wo er vorbeikam, öffneten sich Türen, hochgestellte Damen glaubten nicht fehlen zu dürfen. Ältere Herren, die schon geschlafen hatten, erwachten von dem Lärm und schlössen sich an, wie sie waren. De Miossens, Erster Edelmann, schritt würdig hervor in Hemd und Pelzrock, mit unbekleideten Beinen. Wachen mit Fackeln liefen voraus und warfen Licht in die alten steinernen Gänge, fast niemand hielt noch gegenwärtig, wo er grade war, man machte die Wege mehrmals, und man sang:
«Wer will nicht sicher gehen, wer möchte immer scheitern? Wem macht die schwere Fahrt noch Lust, sie zu erweitern, Wer ist nicht froh, wenn er zuletzt im Hafen liegt?»
«Angelangt!» entschied Karl der Neunte, indessen war es eine falsche Tür. Der ganze Hof mußte sich winden in der Enge wie ein Wurm, bis die richtige erreicht war. Hier hielt Karl die letzte Ansprache an den Glücklichen. «Du bist glücklich, Navarra, denn eine Prinzessin, die erste und edelste des Abendlandes, hat für dich ihre Unschuld aufgehoben, bis du sie ihr raubst, hat in Treuen deiner geharrt, und siehe, jetzt klopfst du bei ihr an» — womit er selbst die Faust gegen das Eichenholz schlug. Seinen Schwager küßte er auf beide Wangen, und seine Tränen flossen.
Die Braut öffnete nicht, obwohl das Getöse selbst im Schlaf nicht zu überhören war. Eine Pause des Aufhorchens entstand, diese aber benutzte der Herzog von Guise, um laut zu sagen:
«Bei allen Heiligen und besonders bei Sankt Bartholomäus! Wenn ich das wäre, die Türe spränge von selbst auf, weil sie mich kennt.»
Dadurch erfuhren alle, die es noch nicht gedacht hatten, daß Guise beleidigt und zornig war. Der König von Navarra fand denn auch unschwer die Antwort.
«Sie sehen es, die Tür bleibt nur Ihretwegen fest zu, damit kein Irrtum vorkommt.»
Guise behauptete dagegen: «Nur Ihretwegen, weil sie Besseres gewöhnt ist.»
Karl der Neunte ordnete an: «Immer eins nach dem andern! Jetzt ist kein Zweikampf dran, sondern das Beilager.»