Moralité

Trop tard, vous êtes envoûte. les avertissements venant de toutes parts n’y font plus rien. Les confidences du roi votre beau frère restent sans écho et les inquiétudes de votre bienaimée n’arrivent pas à vous alarmer. Vous vous abandonnez à votre amour tandis que les assassins eux mêmes ne voient qu’en frissonnant de peur, autant que de haine, approcher la nuit sanglante. Enfin vous la rencontrez, cette nuit-là, comme vous auriez fait d’une belle inconnue: et pourtant déjà M. l’Amiral avait succombé, presque sous vos yeux. N’est-ce pas que vous saviez tout, et depuis longtemps, mais que vous n’aviez jamais voulu écouter votre conscience? Votre aveuglement ressemblait en quelque sorte à cette nouvelle démence sujette à caution de Charles IX. Il l’a choisie comme refuge. De votre côte vous vous étiez refusé à l’évi-dence pur établir votre alibi d’avance. à quoi bon, puisque alors vous deviez tomber de haut et qu’il vous faudra expier d’autant plus durement d’avoir voulu être heureux sans regarder en arrière.[6]

Die Schule des Unglücks

Ich kannte die Hölle nicht

Der Gedanke, mit dem er hingefallen war, kam als erster zurück bei seinem Erwachen. «Mein guter Lehrer», sprach Henri, wie zu einem noch Lebenden, der ihm hätte helfen sollen. Er hörte die Antwort, sie hieß: ‹Ich bewohne ein streng verschlossenes Haus, auf dessen Tür die Leute mir unfreundliche Namen malen.›

Diese einst wirklich gesprochenen Worte klangen in seinem Geist so pünktlich nach, daß er sich umsah. Er war allein, das eheliche Zimmer geschlossen, und Stille lagerte ringsum. Die Glocken schwiegen, das Mordgeschrei hatte sich zurückgezogen von dem Platz dort unten, zusammen mit dem Sonnenschein, und beendet war die vorige eifrige Tätigkeit. Nichts regte sich, außer den Gehängten an den fertiggezimmerten Galgen; die schwankten leicht. Ganz unbewegt blieb der hohe Haufe der Entkleideten. Nur Hunde strichen daran hin und beleckten die Wunden. Die Menschen, soweit sie lebten, hatten sich unsichtbar gemacht, sie, die vorher mit Nachdruck und Genugtuung gezeigt hatten, was sie konnten. Sogar vor die Öffnungen ihrer Häuser hatten sie nunmehr alle Läden gelegt.

Das zweite, was der wieder erwachte Henri dachte, war: ‹Meine arme Mutter ist tot, und auch sie hatte mich gewarnt.› Er ging in den hintersten Winkel des Zimmers und hörte sie sprechen, wie vorhin seinen Lehrer. Sie sagte: ‹Der sittenlose Hof, die böse Königin› — und die Stimme der Mutter, ihr Tonfall wandten sich an ein Kind, das noch unwissende Kind, längst vor den Ereignissen. Gerade darum war herzbrechend der milde vergangene Klang, weil in Wirklichkeit jetzt alles geschehen war, mehr Grausen und Furchtbarkeit, als bei den Lebzeiten der armen Jeanne ihr jemals hätte träumen können. ‹Du bist am Gift gestorben, meine liebe Mutter. Weißt du es? Der Herr Admiral wurde erschlagen seitdem; hast du es erfahren? Ermordet ist La Rochefoucauld, den du mir schicktest als deinen letzten Abgesandten. Tot sind viele, die dir dienten, und hingestreckt liegen unsere Edelleute. Wir gingen in die Falle, obwohl du mich gewarnt hattest, Mutter. Ich hörte aber weder auf dich, noch auf den alten, schlauen Beauvois, noch auf —›, «mein Gott, wie viele!» sagte er laut. Denn alle versäumten Warnungen drangen vereint auf ihn ein — so zahlreich, so schnell, daß er sie nicht unterschied und sich an den Kopf griff. ‹Margot — auch Margot: ihre Warnung durch das anatomische Bild! Das arme Fräulein: Sackleinen bedeckte ihre kleine Leiche! D’Elbeuf: am Tor, als er mich zurückriß aus dem Gedränge, war noch Zeit zu fliehen! Karl der Neunte selbst: Navarra, räche mich! Mornay: Coligny bleibt, weil ihn das Grab erwartet, dich aber erwartet das Bett! Maurevert: schwitzt Mord! d’Anjou: umschwebt von schwärzlichen Geistern! Guise: sein gezückter Dolch, sein jäh enthülltes Gesicht! Madame Catherine: um sie hing, mit ihr ging, von je und überall, das brütende Geheimnis dieser Nacht! Ich aber dachte glücklicher zu sein — unter ihren Blicken glücklich. Denn ich kannte die Hölle nicht.›

Dies war das hereinbrechende Urteil, das ihn noch einmal niederwarf. ‹Ich kannte die Hölle nicht.› Damit fiel er, ohne einen Laut, quer über das Bett, drückte Brust und Stirn darauf und ergab sich dem Urteil, das gefällt wurde in seiner Stirn, seiner Brust. ‹Ich feierte Hochzeit, und inzwischen stöhnten alle von verhaltener Blutgier. Sie zogen sich zu geteilten Haufen an die Wände zurück, damit sie noch nicht gegeneinander losgingen. Ich ließ mich zum Beilager führen.

Die Königin, meine Mutter, war das erste Opfer gewesen. Wir alle waren bestimmt, ihr nachzufolgen, die Vorzeichen verkündeten es, die blutigen Wunder. Ich ließ mich zum Beilager führen und feierte es bis hinein in die Mordnacht. Denn ich kannte die Hölle nicht. Alle anderen entsinnen sich ihrer fortwährend, nur ich nicht, das ist mein Gebrechen. Das ist meine sehr große Schuld. Ich handelte derart, als wären die Menschen zurückgehalten von Anstand, Spott und leichtsinnigem Wohlwollen. So bin aber nur ich und ich kannte die Hölle nicht.›

Während dies in seinem Kopf geschah, zuckte einige Male sein Körper, wie um aufzuspringen und als wagte er es nicht. Das erstemal trat dies ein, als die Worte und Mienen seiner Schwester ihm in den Sinn kamen. ‹Lieber Bruder! Unsere Mutter hat die Wahrheit gekannt, ich sage es Ihnen wahrlich. Sie hinterließ, bevor sie am Gift starb: Sie sollten gar nicht, oder als der Stärkere kommen. Fort aus Paris, mein Bruder! Reitende Boten über das Land! Mit Ihrem Heer rücken Sie an zu Ihrer Hochzeit!› Er vernahm es in seinem Innern von der rührenden Stimme Kathrins, mit ihren hohen erschreckten Endsilben. Eigentlich war es seine eigene Stimme, und diese Warnung glich keiner anderen. Alle hatten ihn nur von außen angerührt, diese allein hatte er bestätigt aus seinem eigenen tiefen Wissen!