Ihre Rache folgte alsbald. Nicht nur den Erlaß wegen der Protestanten in Bearn mußte Henri schreiben, auch an den Papst ging ein Brief; der übertraf alles andere an Selbstverleugnung, und sie ließ ihn verbreiten. Während einer ihrer gegenseitigen Neckereien fiel ihr plötzlich ein, sich nach seiner Gesundheit zu erkundigen. Er war doch ein schwächlicher Junge? Kein rechter Mann, wie? Den Keim eines frühen Todes hatte seine Mutter Jeanne ihm vermacht!

Er öffnete den Mund, um scherzweise zu sagen: «Den Keim haben Sie, Madame, ihr in das Glas geschüttet.» Denn so vertraut standen sie in dieser ersten Zeit, der auf die Leimrute gegangene Vogel und die Besitzerin des Käfigs. Der Haß bringt nahe. Da hörte er sie sprechen: «Ich muß doch meine Tochter nach Ihren Fähigkeiten fragen.» Sofort begriff er, was sie vorhatte: ihn unfähig erklären lassen und in Rom die Trennung der Ehe durchsetzen. Ihn töten, lohnte nicht mehr. Um so eher wünschte sie loszuwerden, was nicht mehr schaden noch nützen konnte — und Margot gewinnbringend wieder zu vergeben. Immer hatte Madame Catherine den Kopf voll von Heiratsplänen für ihre Kinder.

Diesen Abend lag er wieder im Ehebett.

Das wird aus der Liebe

Er kam zu der Tür der Königin von Navarra inmitten vieler Herren, von denen nur wenige ihn verteidigt hätten, wenn die anderen Mörder gewesen wären. Er hatte aber alle diese mitgenommen, damit sie später bezeugen müßten, er wäre zu der Königin gegangen. Er hielt für jeden Fall seinen Dolch in der Faust, mit ihm kratzte er an der Tür — nicht stark, aber sie ging gleich auf. «Ich warte schon, mein Herr und Meister, Sie kommen heute später als sonst», sagte die Königin.

Er schloß und riegelte von innen. Als er sich umwendete, lag sie auf den Kissen und breitete ihm die Arme hin. Er wußte, was er wollte: ihrer Mutter den boshaften Plan durchkreuzen; und das tat er hiermit, wiederholte es auch und fand überhaupt kein Ende. Die zärtliche Margot mußte ihn bitten, nicht zu vergessen, daß sie wieder vereint wären nach einer langen und schrecklichen Trennung.

«Da ich jetzt einen Sohn von dir haben werde, mein liebes Herz, so sage mir: warum hast du dich nicht schon früher besonnen auf dieses Mittel, alle deine Feinde zu besiegen?»

«Du wirst mir einen Sohn geben?»

«Ich fühle es», sagte sie. «Ich will es», verbesserte sie.

«Wie sehr hab ich dich längst herbeigesehnt! An deiner Tür kratzte ich noch gestern abend.»