«Nicht als ob ich Furcht hätte vor dem Guise», versicherte die Königin. Ihr neuer Verbündeter bestätigte aus Überzeugung: «Wer so eitel ist, wie Lothringen auf seine Gliedmaßen! Hat einen blonden Bart, und den liebt das Volk!»
«Er ist ein Esel», sagte sie ebenso entschieden. «Er hetzt die Katholiken auf. Er weiß nicht, für wen er arbeitet. Für mich. Denn ich brauche bald wieder ein Gemetzel, die Protestanten geben keine Ruhe, nicht einmal nach der Bartholomäusnacht. Dann müssen sie eben noch eine haben. Guise soll die Katholiken aufhetzen, und dir erlaube ich, die Hugenotten wild zu machen. Sag ihnen in Paris, daß ihre Waffen uns draußen überall schlagen. Leider ist es nicht ganz unwahr. Nach den Provinzen aber läßt du melden, hier käme bald ein Aufstand, und der mag nur kommen! Willst du alles ordentlich ausführen, Zaunkönig?»
«Über die Brücke darf ich reiten? Und auch zur Jagd? Zur Jagd?» wiederholte er und lachte auf, so kindisch freute sich der Gefangene. Madame Catherine belächelte ihn nachsichtig und mit Geringschätzung. Auch die klügste Alte unterscheidet in einer echten Freude nicht immer die List, die dennoch dahinter steckt. Ein Gefangener tut gut daran, sich noch erniedriger zu geben, als nötig wäre, und wer seine Stunde erwartet, muß um so unentschlossener tun.
Als Henri seine edle Freundin verlassen hatte, stieß er vor ihrer Tür auf d’Aubigné und Du Bartas. Die beiden traten sonst kaum gemeinsam auf; ihnen verbot es ihre Vorsicht. Nur diesmal hatten sie nicht widerstanden, da ihr Herr sich endlos lange beredete mit der verhaßten Mörderin. Er war ihnen ein Rätsel geworden. Obwohl sie ihn liebten wie je, wußten sie doch nicht mehr, wie weit sie ihm trauen durften.
Unzufrieden sprach er sie an. «Vor dieser Tür vermutete ich euch nicht.»
«Auch wir wären Ihnen lieber anderswo begegnet, Sire.»
«Aber das dürfen wir nicht», setzte der eine hinzu.
«D’Armagnac läßt uns nicht zu Ihnen», erklärte der andere. Abwechselnd klagten die beiden mit rauhen Stimmen: «Uns lassen Sie beiseite und verkehren mit neuen Freunden. Das sind aber die alten Feinde. Haben Sie denn alles vergessen? Wem Sie Dank schulden — und sogar, wen Sie rächen müssen?»
Ihm schossen die Tränen in die Augen, als er von seiner Rache hörte. Er wendete sich ab, damit sie es nicht sähen. «Der neue Hof», sagte er, «ist lustig, ihr aber wollt immer noch traurig sein. Unter Karl dem Neunten war auch ich ein Aufrührer, was hat es mir geholfen. Die Rache, was wißt ihr von der Rache! Wenn man ihr nachhängt, wird sie tiefer, immer tiefer und endlich bodenlos.»
Sie sprachen dies alles unter den Augen der Schweizer Wachen, die in die Luft starrten, als verständen sie nichts.