«Unmerklich nehmen ab die Kräfte,

Versiegen müssen unsere Säfte,

Bergab geht’s mit uns immerdar.»

Dies gelesen, und Biron verliert alsbald sowohl Maß als Besinnung. Mit nächstem versetzt er dem Gouverneur etwas vom Dichter Martial über die Behaarung des Körpers. Er selbst hatte die nackte, gelbe Haut eines Gallensüchtigen: wen wollte er daher treffen mit der Erwähnung der rauhen Gliedmaßen? Henri sah ein, daß nichts anzufangen war mit dem Feind: es mußte gekämpft werden. Durch ein anderes Buch ließ er ihm noch die Botschaft zukommen, ihr Urheber war der Dichter Juvenal: Nec facilis victoria de madidis.

«Wenn sie im Wein auch untersanken

Und nur noch stammeln oder schwanken,

Glaub nicht, du hättest sie besiegt!»

Es war immer noch eine Huldigung und eigentlich ein letzter Versuch, mit dem Stellvertreter zu einem Vertrag zu kommen. Wenn sie, einer wie der andere, es ehrlich meinten, so ließ der Gouverneur ihm sagen, dann müßten sie es beweisen durch die Einigkeit, mit der sie alle beide hier in der Provinz Guyenne dem König von Frankreich dienten. Als Antwort schloß Marschall Biron sich in Bordeaux ein und befestigte es. Er ließ verbreiten, daß er den König von Navarra bei der ersten Gelegenheit wollte fangen und nach Paris schicken, denn dort erwartete man ihn dringend, besonders aber Madame Catherine verzehrte sich nach ihrem geliebten Schwiegersohn! Dies hätte Biron für sich behalten sollen. Henri nannte seinen Feind ruhmredig und nichts weiter, dennoch ließ er im ganzen Land seinen Kurieren nachstellen; auf den abseitigsten Wegen wäre keiner durchgekommen.

Mehrere wurden nacheinander abgefangen. Einer trug nichts bei sich, als nur den Bericht über den stattgehabten Wettstreit der lateinischen Dichter; dieser war dargestellt wie ein glücklich aufgedecktes Staatsverbrechen. Die Verse sollten allerdings gerichtet sein gegen den Marschall, wegen seiner Treue für den König von Frankreich; behauptet wurde indessen, daß sie eine doppelte Anwendung zuließen. «Bergab geht’s mit uns immerdar», bezog sich hiernach ebensowohl auf den Hof! Auf den König und sein Haus!

Dem Boten, der nur die kritische Auslegung überbringen sollte, folgte in mehreren Stunden Abstand der zweite: dessen Auftrag war schon deutlicher. Nicht mehr von Stilblüten war dort die Rede, sondern von Straßenraub, Schändung, Brand und Mord, was alles, der Meldung zufolge, auf Rechnung des Königs von Navarra kam. Er richtete eine ganze Provinz des Königreiches zugrunde, damit er sie sich besser aneignen könnte. So schrieb Biron, der in Wahrheit alle Gewalttaten selbst beging — und als Henri es gelesen hatte, betrachtete er auch die eigenen Absichten seines Stellvertreters in der Guyenne entschieden anders als vorher. Den ganzen Mann sah er mit strengeren Augen an. Zu scherzen ist nicht mehr an der Zeit. Es muß gehandelt werden, zugeschlagen derart, daß der Stellvertreter einen heilsamen Schrecken davonträgt. Vielleicht wird er für eine Weile zur Ruhe gebracht. «Wenn’s vorüber ist, wollen wir wieder lachen.»