Sie dachte: ‹Zwei Tränen sind mir schon über das Gesicht gelaufen, wir werden ja sehen, ob die Schminke das aushält.›

Er dachte: ‹Sie wird den Guise nicht mehr brauchen›, und fing an, ihren weiten, aufgespannten Rock zu raffen. Denn während ihrer größten Regungen vergessen die Menschen ihre ganz gemeinen keineswegs.

Aber diese unheiligen Gedanken trieben nur wie hilflose Kähne auf dem gewaltigen Meer, und das war die Leidenschaft. Dunkles Leben, schweigende Taten allseits, nur sie beide waren hinausgelangt in einen berauschenden Sturm. In dies Meer wollen wir springen, und nie wird wieder von uns gehört werden! So verharrten sie aneinandergeklammert: die beste Zeit, die einzig unvergeßliche. Noch wenn sie, gealtert, einander gelegentlich begegneten, und hatte inzwischen jeder den anderen oftmals belächelt oder gehaßt: auf einmal wurde das wieder der Mann des Labyrinths und das Mädchen der dumpf und schwer riechenden Gänge.

Margot machte sich als erste los. Sie war einfach erschöpft.

So viel Gefühl kannte sie nicht. Auch Henri wußte kaum, wie ihm geschah. Merkwürdigerweise empfand er das Geschehene im Augenblick als beschämend, er war nahe daran, sich über sie beide lustig zu machen. Auf die große Erhebung folgte die Verlegenheit, und so irrten sie weiter zusammen durch die engen Windungen, auch Margot fand den Ausgang nicht mehr. Als er dann zufällig vor ihnen lag, hielt sie Henri zurück und sprach: «Es geht leider nicht. Ich werde dich nicht heiraten.»

Das erstemal seit der Kindheit nannte sie ihn du — und nur, um nein zu sagen.

«Margot, wir sollen heiraten. So ist es», bestätigte er im vernünftigsten Ton.

Sie dagegen: «Sahst du nicht eine, die zwischen uns treten wollte?»

«Meine Mutter hat unsere Heirat selbst betrieben», erwiderte er schnell, um jede weitere Untersuchung abzuschneiden. Sie in ihrer Erschöpfung atmete hörbar und meinte: «Das werden wir nicht aushalten.»

Es sollte aber heißen: Eine Leidenschaft mit so vielen Hintergründen, mit Schuld, Verdacht und Verstrickung, indessen diese Tote ihr armes Gesicht zwischen unsere Küsse schiebt! Margot hätte dies, wenn sie wollte, in lateinische Sätze bringen können: aber ihr Empfinden war ohne Eitelkeit, daher drückte sie es nicht aus. Sie demütigte sich, was sonst nicht vorkam bei der freidenkenden Prinzessin von Valois. Die Christenpflicht erwachte in ihr, zugleich mit der menschlichen Selbstachtung. In diesem Labyrinth geschah entschieden zuviel Besonderes mit Margot, unmöglich konnte es lange so weitergehen. Indessen äußerte sie dennoch: «Du solltest abreisen, teurer Schatz.»