«Mich so nennen hören von deinen Lippen, und dich verlassen?»
«Dies ist ein sittenloser Hof. Ich treibe Wissenschaften, um nichts sehen zu müssen. Meine Mutter glaubt nur an ihre Astrologen, und die haben ihr den Tod der Königin Jeanne vorhergesagt, wahrscheinlich hatten sie den Auftrag dazu von anderen bekommen. Was alles mögen sie ihr aber für künftig noch eingeflüstert haben?»
Margot hatte wohl Vermutungen über manches, das bevorstehen mochte. Lieber, als ihre Mutter zu verdächtigen, schob sie es auf die Astrologen. «Reise schnell ab!»
«Das wäre, als ob ich mich fürchtete!» Seine Entrüstung nahm zu. «Ich werde mir den Mantel bis über den Kopf ziehen, und Paris wird mich auspfeifen, während ich davonlaufe.»
«Sie zeigen einen recht albernen Hochmut, Herr.»
«Sie, meine Dame, haben etwas ganz anderes im Sinn, als Sie vorgeben. Sollte es nicht der Herzog von Guise sein?»
Dermaßen verkannt in ihrer reinsten Regung, blitzte die Prinzessin Marguerite aus ihren zornigen Augen den Unverschämten an und brachte enteilend, ehe er sich besinnen konnte, den Ausgang hinter sich.
Die getanzte Begrüssung
Draussen, vom hellen Tag zuerst noch behindert, erkannte Henri, daß sie nicht weit gekommen war. Ihr Bruder, der König, hatte sie eingefangen und hielt ihren Arm so fest, daß sie das Gesicht verzog. Dabei sprach er mit höchst bösartigem Schnauben auf sie ein: zu verstehen war es nicht. Dennoch war klar, daß er den letzten Streit mit angehört hatte. Was alles vorausgegangen war, davon konnte er nichts wissen. Der junge Henri erschrak in der Erinnerung; durch seine Brust stieg es auf, heiß wie ein Quell im tiefen Fels. Dies, genau dies fühlt auch sie! Umsonst will sie sich wehren!
In Wirklichkeit aber gelang es Margot, sich loszureißen. Stolz und wütend richtete sie sich vor ihrem Bruder auf.