„Was treibt ihr euch im Wald umher, ein Alter und ein Kind?“
„Wir wären ja gern im Hüttli geblieben, aber der Erzbischof Firmian hat uns in die Welt hinausgejagt.“
„Warum?“
„Weil wir allein zum Himmelsvater beten und zum Heiland, und weil wir den Papst nicht mögen.“
„Es ist genug! Du bist ein tapferer Bub! Ich hätt’ dir kein Leid getan, auch wenn du aus Vorwitz hergekommen wärst. Aber da der Firmian dein Feind ist, bin ich dein Freund und will dir helfen!“
Er legte die Finger an den Mund und tat einen lauten Pfiff. Alsbald trat hinterm Hause ein Männlein hervor, klein und bucklig, eine spitze Mütze auf dem runden Kopf, die grobe Kleidung ganz von Mehl bestäubt. Ja, es war kein Zweifel: Friedel war in Zenzis Märchenland geraten, denn zu dem Riesen kam nun auch ein Zwerg.
„Tobi“, gebot der Riese, „laß dir drinnen die Flasche mit Lebenswasser geben und komm! ’s liegt einer droben im Walde elend. Wir wollen ihn herholen.“
Verwundert blickte das Männlein auf; es hatte freundliche, sanfte blaue Augen. Ohne ein Wort zu erwidern, horchte es, und sogleich waren die drei auf dem mühsamen Weg die Schlucht hinauf. Schwanzwedelnd umhüpfte sie jetzt der Hund. Es begann schon zu dämmern, als sie die Stelle erreichten, wo der Arme lag. Schon von weitem hatte Friedel fröhlich gerufen: „Wir sind gerettet, Großväterle! Gute Männer kommen! Bald sollst du warm und sicher liegen.“ Aber kein Gegenruf war erschollen.
Nun warf sich das Kind bei dem Geliebten nieder und küßte seine Stirn, um ihn zu wecken. Aber erschrocken fuhr es auf: „Hu, wie kalt ist mein lieb Großväterle! Wie eisig kalt!“ Der kleine Mann beugte sich herab, um dem Kranken einige Tropfen des starken Getränkes einzuflößen, richtete sich aber sogleich wieder empor und sprach leise: „Der ist ja tot!“
Die Worte waren wohl nur für den großen Mann bestimmt, doch Friedels feines Ohr hatte sie auch vernommen. „Tot?“ rief er. „Mein einzig Großväterle ganz tot?“ Laut aufschluchzend warf er sich über den Leichnam hin. Die lang angespannte Kraft versagte plötzlich; das Bewußtsein schwand. Er lag in tiefer Ohnmacht.