Wie lange er ohnmächtig gelegen, wußte er später nicht mehr. Wohl fühlte er, daß man ihn forttrug, war aber nicht imstande, zu sprechen oder zu widerstreben. Auch als jemand ein warmes Getränk an seinen Mund hielt, nahm er ein paar Schlucke, ohne die Augen zu öffnen, und sank gleich wieder in Betäubung zurück.

Endlich aber ward daraus ein langer, fester Schlaf, aus dem er gesund erwachte. Sein Lager war warm und weich, ringsum alles still. So meinte er, alles, was er in der letzten Zeit erlebt, sei nur ein böser Traum gewesen, und er läge im lieben Hüttli an des Großvaters Seite.

„Ist’s schon Tag, Großväterle?“ fragte er schlaftrunken.

„Schon längst!“ sprach eine helle, feine Kinderstimme.

Da fuhr er empor und blickte in ein Gesichtchen, so hold und lieblich, wie er’s nimmer geschaut. Augen, so blau wie Vergißmeinnicht, Wangen wie zarte Röslein, Lockenhaar wie fein gesponnenes Gold.

„Bist du ein Englein?“ fragte er, sich plötzlich besinnend und die Hände faltend. „Bin ich auch schon tot und im Himmel? O, wo ist der Großvater? Wo ist der HErr JEsus? Ich möchte zu ihnen!“

„Ich bin ja kein Englein“, war die Antwort. „Du bist nicht im Himmel! Schau doch auf; du bist in der Talmühle, und ich bin des Talmüllers Ännchen.“

Friedel erhob sich und sah verwundert umher in einem sauberen, aber ärmlichen Gemach.

„Aber mein Großvater, wo ist er? Was haben sie mit ihm gemacht?“

„Er war ja eingeschlafen“, sagte das Kind, die Händchen faltend. „Da haben sie ihn zu Bett gebracht draußen im Walde, wo es still und friedlich ist. Dort schläft er, bis ihn der Himmelskönig weckt, wenn er wiederkommt am Jüngsten Tage.“