Jetzt gewahrten die Kinder die Wanderer am Felsentor. „Der Tobi ist da, der Tobi!“ jubelten sie herbeieilend, wichen aber beim Anblick des fremden Knaben scheu zurück.

„Ruft den Großvater“, gebot Tobi; und die ganze Herde stürmte ins Haus, aus dem gleich darauf ein stattlicher alter Mann mit großen, klaren Augen, langem, weißem Bart und Haar und ehrwürdigem Aussehen hervortrat.

So war der Erzvater Abraham in des Paten Bilderbuch abgemalt gewesen; es war der Franzl am Stein. Die Kinderchen hingen sich an seine Hände und an die Falten seines langen, weiten Kittels. Freundlich begrüßte er Tobi, reichte auch Friedel die Hand und sprach:

„Du bist mir kein Fremder, mein Sohn; Tobi hat Gutes von dir erzählt, darum sei mir willkommen! Wilhelm, nimm den Gast unter deine Hut bis zur Mittagsmahlzeit!“

Der Älteste der Kinderschar, ein frischer, etwa zehnjähriger Junge, nahm Friedel in Beschlag, scheuchte die kleinere Gesellschaft fort und fragte: „Willst du meinen Fuchs sehen? Oder wollen wir schießen?“

Der Gast entschied sich für das letztere und ward zu einer hölzernen Scheibe geführt, die am Felsen befestigt war. Aber o, wie schämte sich Friedel, als der Kleine mit dem scharfen Bolzen seiner Armbrust fast immer ins Schwarze traf, während es ihm auch nicht ein einziges Mal gelang!

„Du gehst wohl nimmer auf die Jagd? Ich mein’ auf das kleine Wild, das man schießen darf?“ fragte Wilhelm.

Traurig schüttelte Friedel den Kopf.

„Dann will ich dir lieber was zeigen! Ich weiß, du wohnst tief im Wald. Möchtest du wohl einmal weit hinaus in die Welt blicken?“

„O ja, so gern!“