Friedel sah sich vergebens nach dem Prachtkerl um und wollte das Gepäck auf seine Schultern nehmen, wie er’s gewöhnt war. Aber die Männer ließen’s nicht zu; nur seinen eigenen Ranzen durfte er aufsacken.

„Geh’ einstweilen mit diesen beiden“, gebot der Herr Amtmann lachend, „da wirst du bald den König sehen.“ Mit diesen Worten verschwand er in der Haustür; die beiden nahmen Friedel in die Mitte und führten ihn durch enge, winklige Straßen vor ein großes unsauberes Haus mit kleinen vergitterten Fenstern. Hier konnte doch der König unmöglich wohnen!

„Was soll ich da drin? Was habt ihr mit mir vor?“ fragte der Jüngling, plötzlich von banger Ahnung befallen.

„Dummer Kerl! Hier gehörst du ’rein; ’s ist eine Kaserne. Du bist ja ein Rekrut!“

„Das ist nicht wahr“, schrie Friedel entsetzt; „ich bin des gnädigen Herrn Diener!“

„Schöner gnädiger Herr! Ein Werbeoffizier ist’s! Du dummes Schaf bist ihm ins Garn gegangen. Marsch, ’nein mit dir!“

Aber der junge Salzburger ließ sich die Freiheit nicht so leicht rauben. Gewandt und kräftig, wie er war, riß er sich mit aller Macht los, schleuderte das entsetzliche Handgeld in den Straßenschmutz und rannte in großen Sprüngen davon. Aber ach, auf das Geschrei seiner beiden Verfolger: „Haltet ihn; ’s ist ein Rekrut!“ ward er im nächsten Augenblick festgehalten, seinen Führern wieder übergeben und von ihnen in die Kaserne geschleppt. Den Unglückstaler steckten sie ihm wieder in die Tasche. O wie hatte er ihn nur annehmen können! Wie konnte er die Warnung des guten Pfarrers vergessen!

„Sieh“, sagte einer der Männer nun freundlicher, „an dieser Haustür steht ein Wachtposten mit geladenem Gewehr; darum sei vernünftig und denke nicht an Flucht. Hier ist deine Stube; nun sei gescheit und mach’ dir’s bequem. Heute und morgen hast du noch frei.“

7. Ein guter Kamerad.

In der großen düsteren, nur mit dem nötigsten Hausrat versehenen Stube befanden sich drei Männer. Einer, der ins Lesen eines Buches vertieft am Fenster saß, hob nur den Kopf, seufzte tief und las weiter. Die beiden andern, die Karten spielend am Tische saßen, begrüßten den Verzweifelten mit rohem Gelächter. Friedel aber sank auf einen Schemel nieder, schlug die Hände vors Gesicht, und seine kräftige Gestalt erbebte im Übermaß des Jammers, der sich endlich in lautem Weinen und Schluchzen Luft machte. Selbst den rohen Spielern ward’s unheimlich dabei zumute. „Komm“, flüsterte der eine, „wollen gehen und eins trinken, bis er ausgetobt hat.“