Als sie hinaus waren, legte sich eine Hand sanft auf das Haupt des Weinenden. Er blickte auf; der eifrige Leser stand vor ihm, ein schöner, stattlicher junger Mann, bedeutend älter als Friedel und mit so feinen, geistvollen Zügen, daß ihn dieser für etwas ganz Vornehmes hielt, obgleich er nur die grauleinene Hausjacke der Soldaten trug.
„Ach, lieber Herr“, rief er händeringend, „laßt mich hinaus, laßt mich fort! Man hat mich schändlich betrogen; ich kann und mag nicht Soldat sein!“
„Armer Bursche“, erwiderte der andere, „ich kann dir nicht helfen! Ich bin ja auch Soldat wider Willen, schon seit einem Jahr.“
„Kommt Ihr denn bald wieder los?“
„Nicht eher, als bis mich Gott von dieser bösen Welt nimmt“, war die traurige Antwort.
„Bis man stirbt, muß man Soldat bleiben?“ schrie Friedel ganz verzweifelt. „Dann will ich jetzt sterben, jetzt gleich! Ich halt’s nicht aus, nein, nimmer, nimmer! Frei will ich sein oder tot!“
Eine Weile ließ ihn der Ältere gewähren, dann sprach er sanft: „Bruder, das ist nicht recht! Kannst du beten?“
Statt aller Antwort glitt Friedel am Schemel nieder; der Kamerad kniete neben ihm und flehte in schlichten, innigen Worten um Kraft und Geduld, dies schreckliche Los männlich und christlich zu tragen, und fest zu glauben, daß auch dies schwere Schicksal aus Gottes Hand komme.
Friedel war still geworden und streckte sich auf den Rat des Gefährten aufs harte Lager, gänzlich erschöpft von Schrecken und Jammer.
„Wie heißt Ihr?“ fragte er den andern, der sich freundlich um ihn bemühte. „Und warum seid Ihr so gut zu mir?“